Gesellschaftlicher Zusammenhalt
Gesellschaftlicher Zusammenhalt nimmt wieder einen festen Platz auf der politischen Agenda ein, die Frage, wie es um seinen Zustand bestellt sei, ist ein Dauerbrenner in der öffentlichen Debatte.

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Gesellschaftlicher Zusammenhalt erfreut sich also einer anhaltenden Konjunktur – und dies aus gutem Grund. Denn während in den vergangenen Jahrzehnten relativer politischer und wirtschaftlicher Stabilität Selbstverwirklichung und Individualismus das Bild der Gesellschaft prägten, drängt angesichts sich häufender Krisen der Begriff des Zusammenhalts wieder stärker in das öffentliche Bewusstsein – als etwas, dass durch vielfältige Bedrohungen und Krisen unter Druck steht einerseits, als wichtige Ressource in Zeiten großer gesellschaftlicher Herausforderungen und gesellschaftlichen Wandels andererseits.
Mit der Frage, was Gesellschaften zusammenhält, verbindet sich auch die Frage danach, was sie resilient, lebenswert und zukunftsfähig macht. Was genau sorgt für Zusammenhalt auf lokaler, auf regionaler, auf nationaler Ebene oder innerhalb Europas? Wie sehr ist er aktuell durch Polarisierung und Spaltung bedroht und was sind die Treiber der Erosion des Zusammenhalts, vor der sich viele Menschen sorgen? Welchen Anteil haben Entwicklungen wie Globalisierung, Digitalisierung und Migration? Oder führen eher sozioökonomische Ungleichheiten zu Spannungen und Konflikten in der Gesellschaft, die Zusammenhalt brüchig werden lassen? Oder werden Spannungen und Konflikte auch gezielt angeheizt, Ressentiments bewusst geschürt? Und wie können sich liberale Demokratien gegen solche Entwicklungen stellen und Vertrauen zurückgewinnen?
All diese Fragen zeigen, wie entscheidend es ist, die Voraussetzungen, Veränderungen und Auswirkungen des gesellschaftlichen Zusammenhalts wissenschaftlich zu erforschen. So kann etwa die empirische Sozialforschung durch regelmäßige Bevölkerungsumfragen Hinweise darauf geben, welche Faktoren als relevant für den gesellschaftlichen Zusammenhalt betrachtet werden und welche Entwicklungen ihn stärken oder schwächen. Die interdisziplinäre Analyse von Ursachen und Auswirkungen dieser Entwicklungen sowie ihre historische Einordnung helfen, ein differenziertes Verständnis der aktuellen Verfasstheit unserer Gesellschaften bereitzustellen und damit auch Ansatzpunkte für politisches Handeln aufzuzeigen.
Im Zentrum der Fördermaßnahmen steht das „Forschungszentrum Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ)“, das sich nunmehr in seiner zweiten Förderphase befindet (2024 – 2029) und dabei vor allem die Bedeutung von Vielfachkrisen für gesellschaftlichen Zusammenhalt untersucht: Wie wird der gesellschaftliche Zusammenhalt in Zeiten der Transformation gefährdet? Aber auch: Wie wird Zusammenhalt unter diesen Herausforderungen wirksam? Ein besonderer Fokus legt das FGZ dabei auf die Frage, ob es eine spezifisch demokratisch Form des Zusammenhalts gibt und was demokratischen Zusammenhalt ausmacht.
Darüber hinaus fördert das BMFTR seit 2023 auf Beschluss des Deutschen Bundestages den Aufbau der Konfliktakademie ‚ConflictA‘ an der Universität Bielefeld. Ziel der ConflictA ist es, ein besseres Verständnis von gesellschaftlichen Konflikten und ihrer praktischen Bearbeitung zu schaffen. Analysiert werden z. B. lokale Konfliktsituationen und wie sie vor Ort in der Stadt, Gemeinde oder Nachbarschaft bearbeitet werden. So bringt die ConflictA Wissenschaft, Praxis und Bevölkerung zusammen und entwickelt neue praxisorientierte Wege des Umgangs mit Konflikten.
Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt
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