Innerhalb seines Rahmenprogramms „Orientierung für eine Welt im Wandel“ stärkt das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) das Forschungsfeld der Friedens- und Konfliktforschung.
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ConflictA - Konfliktakademie
Seit April 2023 fördert das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) die Entwicklung der ConflictA – Konfliktakademie am Institut für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld. Die ConflictA befasst sich mit demokratie-relevanten Konflikten, insbesondere auf kommunaler und regionaler Ebene. Konflikte werden systematisch und handlungsorientiert unter Verwendung von partizipativen Methoden und Ansätzen beforscht. Die Forschungsergebnisse kommen der zivilen, bildungs- und praxisbezogenen Konfliktintervention und -transformation zugute. Dazu gehört es auch, Konflikttransformationsprozesse zu begleiten und Bildungs- und Qualifizierungsangebote für ein Verständnis von und für den Umgang mit Konflikten zu entwickeln. Die Erkenntnisse werden einer breiten (Fach-)Öffentlichkeit über professionalisierten Transfer zur Verfügung gestellt. Damit trägt die Konfliktakademie zum Verständnis von Gegenwartskonflikten und ihren Auswirkungen auf Gesellschaft und Institutionen bei und stärkt den konstruktiven Umgang mit Konflikten und Gewalt in besonders betroffenen gesellschaftlichen Sektoren.
Förderlinie zur Stärkung Friedens- und Konfliktforschung
Mit der Förderung von zehn Verbundvorhaben im Bereich der Friedens- und Konfliktforschung will das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) dazu beitragen, dass Politik und Gesellschaft internationalen Entwicklungen auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse angemessen begegnen können. Gewaltsame Konflikte betreffen auch Europa: die Invasion der Ukraine durch Russland hat dem Land massive Zerstörung gebracht und, auch über die Ukraine hinaus, Nöte und Ängste hervorgerufen. Die Verbünde der Förderlinie unterteilen sich in zwei unterschiedliche Förderformate: sieben Kompetenznetze und drei Regionale Zentren. In beiden Förderformaten kommt der Vernetzung eine herausragende Bedeutung zu. In den Kompetenznetzen schließen sich kleinere, regional verstreute Akteure mit ähnlichen Forschungsschwerpunkten zusammen, um gemeinsam zu Zukunftsfragen aus dem Feld der Friedens- und Konfliktforschung zu forschen. Dabei kommen neben geistes- und sozialwissenschaftlichen auch naturwissenschaftliche Methoden zum Einsatz. Die Kompetenznetze positionieren sich zudem als Akteure im Bereich Wissenstransfer und entwickeln Beratungs- bzw. Informationsangebote für Politik und Gesellschaft. Die Regionalen Zentren sollen sich als Zusammenschlüsse von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen einer Region zu „Leuchttürmen“ der deutschen Friedens- und Konfliktforschung entwickeln. Sie haben die Aufgabe, im Rahmen gemeinsamer Forschungs- und Transfervorhaben die Interdisziplinarität und den Methodenpluralismus des Forschungsfeldes zu stärken und über entsprechende Kooperationen die Internationalisierung der Friedens- und Konfliktforschung vorantreiben. Die geförderten Forschungsprojekte arbeiten interdisziplinär zu unterschiedlichen Weltregionen und Themen, unter anderem zu Auswirkungen historischer Faktoren auf aktuelle Konfliktdynamiken und zur Rolle moderner Technologien in Konfliktgeschehen. Sie erarbeiten auf ihren Erkenntnissen basierende Transfermaßnahmen, um Praxisakteure im Umgang mit aktuellen Herausforderungen im Bereich der Konfliktprävention und -beilegung unterstützen zu können. Eine Vielzahl unterschiedlicher Praxispartner ist von Beginn an in die Forschungsvorhaben eingebunden.
Die zweite Förderphase der Verbünde läuft bis 2028.
Forschungsprojekte im Themenfeld „Friedens- und Konfliktforschung“
WOZU: Besseres Verständnis vom Konfliktdynamiken und stärkere Vernetzung innerhalb des Forschungsfeldes
WER: Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, die eng mit Praxispartnern zusammenarbeiten
WIE: Förderlinie „Stärkung- und Weiterentwicklung der Friedens- und Konfliktforschung“
Titel: Regionales Forschungszentrum "Transformations of Political Violence"
Projektkoordination: Prof. Dr. Jonas Wolff , PRIF - Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung
Verbundpartner: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main; Justus-Liebig-Universität Gießen; Philipps-Universität Marburg; Technische Universität Darmstadt
Beschreibung: Das Forschungszentrum „TraCe“ beschäftigt sich mit historischen und gegenwärtigen Transformationen politischer Gewalt. Die interdisziplinäre Arbeit untersucht die sich verändernden Erscheinungsformen politischer Gewalt im Zusammenhang mit technologischem, politischem und gesellschaftlichem Wandel, den Wandel der Institutionen, die Gewalt ermöglichen oder einschränken, sowie die Art und Weise, wie politische Gewalt interpretiert und gerechtfertigt wird. Zentrales Anliegen ist darüber hinaus der dialogische Wissenstransfer und die strategische Vernetzung der Friedens- und Konfliktforschung in Hessen. Übergreifendes Ziel ist, die Konsequenzen des Wandels politischer Gewalt für den innergesellschaftlichen und internationalen Frieden zu identifizieren und Strategien zur Eindämmung politischer Gewalt unter den sich verändernden Bedingungen zu entwickeln.
Titel: Bayerisches Zentrum für Friedens- und Konfliktforschung
Projektkoordination: Prof. Dr. Jana Hönke; Universität Bayreuth
Verbundpartner: Universität Augsburg; Institut für Zeitgeschichte (IfZ)
Beschreibung: Das Bayerische Zentrum für Friedens- und Konfliktforschung: Deutungskämpfe im Übergang (BZeFK) untersucht, wie in Zeiten des Umbruchs politischer Wandel gesellschaftlich verhandelt und ausgetragen wird. Mit Fokus auf Gegenläufigkeiten werden in der Projektphase 2026–2028 besonders Auseinandersetzungen um demokratische Handlungsspielräume und Grundrechte sowie eine regelbasierte internationale Ordnung analysiert. Über diesen sozial- und geschichtswissenschaftlichen Forschungsansatz vernetzt der Verbund Standorte der Friedens- und Konfliktforschung für interdisziplinäre und methodenpluralistische Zusammenarbeit in Bayern und darüber hinaus. Gleichzeitig liefert das BZeFK Orientierungswissen für Politik und Gesellschaft in diesen Zeiten des beschleunigten politischen Wandels.
Titel: VeSPoTec-Hub: Die Rolle von (Nicht-)Wissen in der nuklearen Ordnung – politische, epistemologische, technische und strategische Prozesse.
Projektkoordination: Dr. Carmen Wunderlich;Universität Duisburg-Essen
Verbundpartner: Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, PRIF - Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung, Forschungszentrum Jülich
Beschreibung: Angesichts globaler Polykrisen und einer sich wandelnden Weltordnung, die neue Herausforderungen für nukleare Abrüstungs- und Nichtverbreitungsbemühungen schaffen, bedarf es eines regional verankerten sowie international vernetzten Zentrums für integriert-interdisziplinäre nukleare Verifikationsforschung und -beratung. Das Projekt „Knowing in the Nuclear Weapons World” zielt darauf ab, einen solchen „Hub“ zu etablieren, der Forschungsagenden und Expertise zu Wissensinfrastrukturen der Verifikation bündelt, weiterentwickelt und sichtbar macht. Das Projekt baut auf den Ergebnissen der ersten Förderphase (VeSPoTec) auf, erweitert aber den Fokus auf zwei aktuelle Bruchlinien: die Rekonfiguration nuklearer Verifikation in Anbetracht geopolitischer Fragmentierung und Regimeerosion sowie die Rolle von Künstlicher Intelligenz und neuen Technologien für Verifikation.
Titel: Netzwerk Lokale Konflikte und Emotionen in Urbanen Räumen: Transdisziplinäre Konfliktforschung in Wissenschaft-Praxis-Kooperationen
Projektkoordination: Prof. Dr. Katrin Grossmann, Fachhochschule Erfurt University of Applied Sciences
Verbundpartner: Verein zur Förderung der Bildung - VFB Salzwedel e.V.; Universität Bielefeld; Friedrich-Schiller-Universität Jena; Technische Universität Dortmund;
Beschreibung:
In der Anschlussphase von LoKoNet stehen lokale Konflikte, deren emotionale Dynamiken und insbesondere Verletzungsverhältnisse im Fokus. Methodisch sollen „multifunktionale Artikulationsräume” den Konfliktbeteiligten ermöglichen, ihre eigenen Perspektiven zu entfalten, sich über Erfahrungen auszutauschen und Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. „Multifunktional” sind diese Räume, da sie zugleich der Forschung, dem Wissenstransfer, der Intervention und der Theoriebildung dienen.
Ein weiteres Ziel der LoKoNet Folgephase besteht in der Entwicklung nachhaltiger Strukturen zur Stärkung der inter- und transdisziplinären Konfliktforschung und zivilen Konfliktbearbeitung, unter anderem durch Kooperationen wie dem Kooperationsverbund Demokratische Konfliktbearbeitung. Außerdem sollen Standards für kommunale Konfliktberatung erprobt, in Hochschulcurricula integriert und somit Wissenschaft und Praxis nachhaltig verknüpft werden.
CBWNet
Titel: Die Normen gegen Chemie- und Biowaffen umfassend stärken Projektkoordination: Dr. Anna Krin, Universität Hamburg
Verbundpartner: Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH); Justus-Liebig-Universität Gießen; Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung (PRIF)
Beschreibung: Das Vorhaben fragt nach Möglichkeiten, die Normen gegen Chemie- und Biowaffen (CBW) umfassend zu stärken. Diese sind in den vergangenen knapp zwei Jahrzehnten zunehmend unter Druck geraten, beispielsweise durch den wiederholten Einsatz chemischer Waffen in Syrien und der Ukraine. Das Vorhaben untersucht aus interdisziplinärer Perspektive die Einflussfaktoren, Ausprägungen und Auswirkungen von Normenkontestation in den CBW-Verbotsregimen. Dort, wo die Analyse auf eine Schwächung der Normen hinweist, entwickeln die Verbundpartner Vorschläge zu deren Stärkung und einer erhöhten Resilienz.
Titel: Postkoloniale Hierarchien in Frieden und Konflikt
Projektkoordination: Prof. Dr. Anika Oettler, Philipps-Universität Marburg
Verbundpartner: Universität Bayreuth; Universität Erfurt; Arnold-Bergstraesser-Institut
Beschreibung: Das Kompetenznetz untersucht, wie historisch verfestigte postkoloniale Hierarchien gegenwärtige Konfliktdynamiken prägen und welche Folgen dies für nachhaltige Konflikttransformation hat. Zugleich wird geprüft, inwiefern Friedens- und Konfliktforschung zur Reproduktion solcher Hierarchien beiträgt. Auf Basis gemeinsamer Forschungsfragen zu Gewalt, Sicherheitsgovernance und transformativer Gerechtigkeit sollen politische Entscheidungsprozesse informiert und Wissensasymmetrien abgebaut werden. Die zweite Phase erweitert den Fokus von Konflikten im Globalen Süden hin zu globalen Verflechtungen, insbesondere zwischen ehemaligen Kolonien und Kolonialmächten, und integriert bislang vernachlässigte Aspekte.
Titel: MEHUCO - Meaningful Human Control. Autonome Waffensysteme zwischen Regulation und Reflexion
Projektkoordination: Prof. Dr. Jutta Weber, Universität Paderborn
Verbundpartner: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn; Universität Hamburg
Beschreibung: MEHUCO untersucht Diskurse, Entwicklungstrends und Einsatzformen KI-basierter Kriegsführung entlang ihrer normativen, affektiven und operativen Dimensionen. Die in der 1. Förderphase im Fokus stehende, wissenschaftliche Analyse von AWS wird auf KI-basierte Entscheidungs- und Zielfindungssysteme ausgeweitet und die Aufmerksamkeit nicht auf zukünftige Kriegsszenarien allein, sondern auf konkrete Anwendungsdimensionen und ihre Konsequenzen gerichtet. Dabei werden zum einen völkerrechtliche Expertisen, zum anderen die Expertise naturwissenschaftlicher Friedensforschung in das Kompetenznetz integriert. Wissenschaftliche Ergebnisse werden u.a. durch öffentliche Vorführungen des in der 1. Förderphase produzierten Dokumentarfilms, eine Vortragsreihe in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung sowie einen Science-Fiction-Roman (als Auftragsarbeit) kommuniziert.
Titel: Wissensproduktion in der deutschen Friedens- und Sicherheitspolitik
Projektkoordination: Prof. Dr. Klaus Schlichte, Universität Bremen
Verbundpartner: Universität Erfurt
Beschreibung: Das Projekt vertieft Erkenntnisse zur Wissensproduktion über friedenspolitische Auslandsinterventionen in Deutschland und erweitert sie um eine europäische und internationale Ebene. Untersucht wird anhand der Fallstudien Afghanistan und Somalia, ob es (1) eine Europäisierung der friedens- und sicherheitspolitischen Wissensproduktion gibt und (2) ob während Interventionen Lernkurven aufseiten der Intervent*innen stattfinden. Hierzu wird eine vergleichende Analyse der Wissensproduktion in Deutschland, Frankreich und auf EU-Ebene durchgeführt sowie der Prozess des gegenseitigen Lernens in Somalia und Uganda rekonstruiert. Basierend auf den Forschungsergebnissen werden Handlungsempfehlungen für Wissenschaft, Politikberatung und Regierungsinstitutionen entwickelt.
Projektkoordination: Dr. Antonia Witt, PRIF - Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung
Verbundpartner:Research Centre Global Dynamics (ReCentGlobe), Universität Leipzig; Institut für Entwicklung und Frieden (INEF), Universität Duisburg-Essen
Beschreibung: Das Kompetenznetzwerk ANCIP rekonstruiert die in der Forschung bisher vernachlässigten nicht-militärischen Interventionspraktiken der Afrikanischen Union (AU) und ausgewählter Regionalorganisationen, analysiert die ihnen zugrunde liegenden Wissensbestände und Handlungsroutinen sowie Schnittstellen zu anderen nicht-staatlichen und internationalen Akteuren der Friedensförderung. In der zweiten Förderphase zielt das Netzwerk darauf ab, die in der ersten Förderphase entwickelte ANCIP Datenbank und das dazugehörige Dashboard zur Visualisierung nicht-militärischer Interventionspraktiken zeitlich und räumlich zu erweitern, international zu vernetzen und für die Nutzung durch Wissenschaft und Praxis zu verstetigen. Zudem wird die Verbindung von nicht-militärischen und militärischen Interventionspraktiken sowie die Rolle von internationalen Partnerschaften in einer neuen Weltordnung systematisch untersucht. Damit stärkt das Netzwerk die Erforschung einer sich stark wandelnden Landschaft internationaler Konfliktbearbeitung und formuliert auf dieser Grundlage Orientierungswissen und Handlungsoptionen für Entscheidungstragende in Deutschland, Europa und Afrika.
Titel: Konflikt und Kooperation im östlichen Europa. Die Folgen der Neukonfiguration politischer, ökonomischer und sozialer Räume seit dem Ende des Kalten Krieges.
Projektkoordination: Prof. Dr. Gwendolyn Sasse, Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) gGmbH
Verbundpartner: Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung (IOS); Leibniz-Institut für Länderkunde e.V. (IfL); Friedrich-Schiller-Universität Jena; Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde; Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam e.V. (ZZF)
Beschreibung: In der zweiten Phase zielt KonKoop darauf ab, strukturelle Maßnahmen zur Vernetzung und Weiterentwicklung der Ost-/Südosteuropabezogenen Friedens- und Konfliktforschung zu verstetigen und diese durch konkrete Bildungs- und Transferangebote für die nationale und internationale Forschungsgemeinschaft zu öffnen. Insbesondere die netzwerkübergreifenden Labore (das multimethodische Datenlabor, das multiperspektivische Visualisierungslabor und das multilokale Early-Career-Lab) erarbeiten innovative Methoden-, Trainings- und Wissenschaftskommunikationsmodule. KonKoop trägt so wesentlich zur Profilbildung der deutschlandweiten Friedens- und Konfliktforschung mit Regionalbezug bei und macht sie international sichtbarer. Zudem schreibt sich KonKoop so nachhaltig in die wissenschaftlichen, öffentlichen und politischen Diskurse ein.
Förderung von Nachwuchsgruppen in der naturwissenschaftlich-technischen Friedens- und Konfliktforschung
Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) hat auf Initiative des Deutschen Bundestages eine Bekanntmachung im Feld der naturwissenschaftlichen Friedens- und Konfliktforschung veröffentlicht. Auf dieser Grundlage werden fünf Nachwuchsgruppen gefördert, die sich mit den Themen Rüstungskontrolle und Abrüstung im Feld der ABC-Waffen sowie mit angrenzenden Themenbereichen wie Cyberwarfare und neuen Technologien befassen. Das Format der Nachwuchsgruppen soll überdies zu einer strukturellen Stärkung und einem Kompetenzaufbau im Forschungsfeld beitragen. Die Postdocs, Doktorandinnen und Doktoranden sollen die gesellschaftlich und politisch relevanten Felder beforschen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen in Zukunft Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus Politik, Staat und Zivilgesellschaft nachhaltig im Umgang mit aktuellen Herausforderungen im Bereich der Konfliktprävention und -beilegung und der Friedenssicherung unterstützen. Damit reagiert das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) nicht nur auf aktuelle geopolitische Entwicklungen und verschärfte Konfliktlagen, sondern auch auf Empfehlungen des Wissenschaftsrates.
Vorstellung der Nachwuchsgruppen:
MilEth
Titel: Militärische Verteidigungstechnologien und Ethik
Projektkoordination: Dr. phil. Nathan Wood
Verbundpartner: Technische Universität Hamburg, Karlsruher Institut für Technologie
Beschreibung: Das Projekt untersucht ethische und rechtliche Aspekte neuer Technologien im Verteidigungs- und Sicherheitsbereich. Der Fokus liegt insbesondere auf autonomen und KI-gestützten Systemen und untersucht die damit verbundenen Herausforderungen sowohl aus technischer als auch aus operativer Sicht. Als hochgradig interdisziplinäres Projekt umfasst die Forschungsgruppe Wissenschaftler mit Hintergrund in Ethik/Recht, Systemtechnik, Luftfahrttechnik und Künstlicher Intelligenz. Ziel ist die Bereitstellung von Erkenntnissen über die politischen und gestalterischen Anforderungen für die ethische und rechtliche Entwicklung und Nutzung autonomer und KI-gestützter Systeme in der Verteidigung.
VERIBIO
Titel: Verifikation im Bereich des Biowaffenübereinkommens neu denken
Projektkoordination: Dr. Gunnar Jeremias, Universität Hamburg
Verbundpartner: Prof. Dr. Anna-Lena Heins, Technische Universität Hamburg
Beschreibung: VERIBIO setzt sich mit den Herausforderungen für einen möglichen ex ante Verifikationsmechanismus des Biowaffenübereinkommens im industriellen Bereich auseinander. Biowaffen-relevante Aktivitäten staatlicher und privater Akteure sollen frühestmöglich erkannt werden. VERIBIO bearbeitet das Problem interdisziplinär mit dem Ziel ein proof of concept für ein compliance bezogenes Monitoring industrieller Biosyntheseverfahren zu erstellen. Es soll erforscht werden, ob Daten aus dem Produktionsprozess automatisiert ausgelesen und dahingehend analysiert werden können, dass festgestellt werden könnte, wenn in der Anlage illegitime Produkte in einem fermentationsbasierten Syntheseprozess erzeugt werden.
nuSENTRY
Titel: Neutrino-basierte Sicherheitsüberwachung für entstehende Nukleartechnologie und Reaktortypen
Projektkoordination: Dr. Yan-Jie Schnellbach, Technische Universität Darmstadt
Beschreibung: Aktuelle internationale Entwicklungen sehen den Einsatz neuartiger Kernreaktortypen, z. B. "Small Modular Reactors" (SMRs), vor, um den weltweit steigenden Energiebedarf emissionsarm abzudecken. Parallel dazu wird auch der Einsatz von Schiffsreaktoren für U-Boote in Nichtkernwaffenstaaten angestrebt. Beide Entwicklungen bergen das Potenzial, die Kontrolle von nuklearem Spaltmaterial ("Safeguards") zu erschweren. Vor diesem Hintergrund untersucht das nuSENTRY-Projekt neue Messmethoden mit dem Ziel, neue Konzepte zur Spaltmaterialüberwachung zu entwickeln. Hierzu sollen die nicht abschirmbaren Antineutrino-Emissionen von aktiven Reaktoren, kombiniert mit Neutronen- und Myonenmessungen, genutzt werden.
SACS
Titel: Unterstützung der Definition und Verifizierung eines Rüstungskontrollvertrags für den Weltraum
Projektkoordination: Dr. Konstantinos Konstantinidis, Universität der Bundeswehr München
Beschreibung: Die Nachwuchsgruppe SACS (Supporting Arms Control in Space) an der Universität der Bundeswehr München hat das Ziel, die Entwicklung eines hypothetischen zukünftigen Rüstungskontrollvertrages für Weltraumrüstungen zu unterstützen. Ein solcher Vertrag kann ein wichtiges Instrument sein, um den Weltraum als friedliche und offene Domäne zu erhalten. Dabei werden ingenieurwissenschaftliche und technische Methoden, z.B. aus der Luft- und Raumfahrttechnik, in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit Ansätzen aus den internationalen Beziehungen und den Sozialwissenschaften eingesetzt.
RDI-GEOKIR
Titel: Resilienz digitaler Infrastrukturen – Geopolitische Konflikte um Internet-Routing
Projektkoordination: Dr. Finn Dammann, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Beschreibung: Die Nachwuchsgruppe nimmt eine vielfach unsichtbare materielle Geographie unserer zunehmend digitalisierten Welt in den Fokus: digitale Infrastrukturen und ihre Einbettung in geopolitische Spannungen und Konflikte. Für die Erforschung der Resilienz digitaler Infrastrukturen, der Sicherheit von Internet-Routing sowie von neu entstehenden Abhängigkeiten, entwickelt die Nachwuchsgruppe einen interdisziplinären Zusammenhang zwischen Digitaler Geographie, GIScience und IT-Sicherheitsforschung – und macht diese für die internationale Friedens- und Konfliktforschung sowie für eine kritische Infrastrukturforschung fruchtbar.
Seit Oktober 2022 fördert das BMFTR als Reaktion auf den Krieg in der Ukraine das Ukraine-Forschungsnetzwerk (UNET) am Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien in Berlin. Das UNET unter Leitung von Prof. Dr. Gwendolyn Sasse soll bestehende Forschung zur Ukraine bündeln und sicherbarer machen. Es soll aus der aktuellen Situation heraus Forschungsbedarfe eruieren und adressieren. Das UNET verbindet somit unterschiedliche Disziplinen und Methoden, um die Entwicklungen in der Ukraine aus wissenschaftlicher Sicht zu begleiten und zu verstehen. Insbesondere werden Forscher und Forscherinnen aus der Ukraine einbezogen.
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