Förderlinie „Gesellschaftliche Auswirkungen der Corona-Pandemie“ endet –Forschungsergebnisse belegen langfristige gesellschaftliche Folgen

Anfang 2026 enden die vom BMFTR geförderten Projekte zu gesellschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie. Sie zeigen, wie tief die Krise soziale Strukturen, Alltag und Institutionen geprägt hat – und warum geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung zentral bleibt, um Empfehlungen zur Steigerung gesellschaftlicher Resilienz zu geben.

Maske auf Pflastersteinen am Boden

AdobeStock/michaelheim

Mit dem Auslaufen der Förderlinie liegt nun eine breite, interdisziplinäre Wissensbasis darüber vor, wie die Corona-Pandemie das gesellschaftliche Leben verändert hat. Die beteiligten Projekte u.a. aus Soziologie, Psychologie, Kultur‑ und Medienwissenschaften, Politik- und Wirtschaftswissenschaft und der Bildungsforschung zeigen, dass die Pandemie weit mehr als eine gesundheitliche Krise war. Sie war ein sozialer Einschnitt, der bestehende Ungleichheiten verstärkte, neue Konfliktlinien sichtbar machte und zentrale gesellschaftliche Bereiche an ihre Grenzen brachte. Die Forschung hat damit einen wichtigen Beitrag geleistet, um die Erfahrungen der vergangenen Jahre systematisch zu erfassen und einzuordnen – und um zu verstehen, welche Lehren sich daraus für zukünftige Krisen ziehen lassen.

Gesellschaft unter Druck: Einsamkeit, Ungleichheit, Vertrauensverluste

Die Forschungsergebnisse zeigen: Die Erfahrungen, die Menschen während der Pandemie gemacht haben, sind äußerst unterschiedlich und verlangen eine sorgfältige Differenzierung. Einsamkeit, soziale Isolation und Stigmatisierung prägten das Leben vieler, während andere neue Formen der Solidarität und Nachbarschaftshilfe erlebten. Besonders deutlich wurde, wie ungleich die Belastungen verteilt waren: Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen, Familien mit geringem Einkommen, Zugewanderte oder ältere Personen waren überdurchschnittlich stark benachteiligt. Gleichzeitig zeigte sich, wie zentral Vertrauen für das gesellschaftliche Zusammenleben ist. Vertrauen in staatliche Institutionen, Medien und Wissenschaft beeinflusste maßgeblich, wie Menschen Maßnahmen während der Pandemie bewerteten und mit Unsicherheit umgingen. Wo Vertrauen fehlte, wuchsen Polarisierung und Verschwörungsglauben. Eine zentrale Erkenntnis aus der Förderung ist, dass der Zusammenhalt einer Gesellschaft eine wesentliche Grundlage für die Fähigkeit zur Krisenbewältigung darstellt – und dass dieser Zusammenhalt aktiv gepflegt werden muss.

Strukturelle Herausforderungen in Pflege, Bildung, Arbeitswelt und Verwaltung

Die Pandemie wirkte wie ein Brennglas für strukturelle Schwächen, die schon vor 2020 bestanden – dies verdeutlichen Ergebnisse aus fast allen Forschungsprojekten. In Pflegeeinrichtungen traten Überlastung, Personalmangel und geringe gesellschaftliche Anerkennung besonders deutlich hervor. Untersuchungen zeigen, dass die Krise in diesem Feld zwar Aufmerksamkeit erzeugte, aber kaum zu nachhaltigen Verbesserungen führte.

Auch im Bildungssystem wurden Ungleichheiten sichtbarer: Kinder und Jugendliche aus weniger privilegierten Haushalten hatten schlechtere Voraussetzungen für digitales Lernen und viele litten unter den Kontaktbeschränkungen zu Gleichaltrigen. Projekte zur schulischen Bildung und zur Ausbildung in Pflegeberufen verdeutlichen, dass gerade Bildungseinrichtungen stärker auf Krisen vorbereitet werden müssen – technisch und organisatorisch.

Öffentliche Verwaltung und Arbeitswelt standen ebenfalls unter enormem Druck und kämpften mit verschiedenen Schwierigkeiten. Während einige Kommunen und Arbeitgeber schnell digitale Lösungen entwickelten und neue Formen der Zusammenarbeit ermöglichten, waren andere durch fehlende Ressourcen oder zurückhaltendes Management eingeschränkt. Die Forschung zeigt, dass funktionierende Strukturen in Verwaltung und Arbeitswelt nicht nur von technischen Lösungen abhängen, sondern von klaren Verantwortlichkeiten, kreativen Lösungen, guter Kommunikation und belastbaren Beziehungen zwischen den Akteuren.

Ausblick: Was bleibt – und was zu tun ist

Mit dem Abschluss der Förderlinie liegt eine solide Wissensbasis vor, die weit über die Pandemie hinausreicht. Die Projekte liefern konkrete Impulse für Politik, Wissenschaft und Praxis: regionale Netzwerke stärken, psychische Gesundheit stärker berücksichtigen, digitale Kompetenzen ausbauen – etwa im sicheren Umgang mit digitalen Tools, in IT‑Sicherheit, Medienbildung und digitaler Kommunikation –  und Wissenschaftstransfer verbessern.

Die Ergebnisse zeigen, dass Krisenfestigkeit nicht allein durch technische Lösungen geschaffen wird, sondern durch Pflege und Aufbau sozialer Strukturen, Vertrauen und Teilhabe. Die geistes‑ und sozialwissenschaftliche Ergebnisse der Förderlinie verdeutlichen, wie wichtig es ist, gesellschaftliche Dynamiken in ihrer Komplexität zu verstehen – und wie wertvoll interdisziplinäre Perspektiven für die Vorbereitung auf zukünftige Herausforderungen sind.

Für die geförderten Projekte endet ein intensiver Forschungsprozess, doch die gewonnenen Erkenntnisse bleiben. Sie bilden eine Grundlage dafür, gesellschaftliche Resilienz langfristig zu stärken und die Erfahrungen der Pandemie in nachhaltige Veränderungen zu überführen.

Mehr zum Thema: