Sozialwissenschaftliche Forschungsdateninfrastrukturen

Forschungsdaten für die Sozialwissenschaften nutzbar machen, Forschungsdateninfrastrukturen weiterentwickeln

Forschungsdaten bilden das Fundament, auf dem wissenschaftliche Erkenntnisse aufgebaut werden. Für die Erhebung, Aufbereitung und Nutzbarmachung von Forschungsdaten im Bereich der Sozialwissenschaften werden Infrastrukturen benötigt, deren Aufbau und Weiterentwicklung das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) seit vielen Jahren unterstützt.

Zwei Personen tippen auf einer Tastatur vor einem Bildschirm mit schwebenden, leuchtenden digitalen Symbolen und Fenstern.

Adobe Stock/ ศักดิ์สิทธิ์ หวังคู่, Generiert mit KI

Im Feld der sozialwissenschaftlichen Forschungsdateninfrastrukturen werden vor allem Erhebungen gefördert, die regelmäßige Bevölkerungsbefragungen beinhalten und die erhobenen Daten Nutzenden aus der Wissenschaft zur Verfügung stellen.


Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI)

Um einen Prozess für professionelles Datenmanagement und die Harmonisierung von Forschungsdaten in Deutschland voranzutreiben, empfahl der vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) eingesetzte Rat für Informationsinfrastrukturen (RfII) im Jahr 2016 den Aufbau der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI). Dieser Prozess wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) umgesetzt. Ziel ist es, Daten aus Wissenschaft und Forschung zur Verfügung zu stellen, zu vernetzen und langfristig nutzbar zu machen. Hierfür werden Standards, Dienste oder Trainingsangebote entwickelt, welche in 26 fachlich oder methodisch organisierten Konsortien unter einem Dach zusammengeführt werden.


BMFTR-geförderte Forschungsdateninfrastrukturen

Im Bereich der Sozialwissenschaften fördert das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) das Sozio-oekonomische Panel (SOEP). Das SOEP ist eine der größten und am längsten laufenden multidisziplinären Panelstudien weltweit, für die derzeit jährlich etwa 30.000 Menschen in knapp 16.000 Haushalten befragt werden. Forschung auf Grundlage der Daten des SOEP trägt auf herausragende Weise zu einem besseren Verständnis des Lebens der Menschen in unserer Gesellschaft bei.

Darüber hinaus wurde mit Mitteln des BMFTR das familiendemografische Panel „FReDA – Family Research and Demographic Analysis“, mit dem bundesweit mehrere Tausend zufällig ausgewählte Menschen im Alter von 18 bis 49 Jahren sowie ihre Partnerinnen und Partner befragt werden, in den Jahren 2020 bis 2024 aufgebaut und danach durch das Bundesministerium des Inneren verstetigt.

Seit 2021 werden durch das Ministerium Fördermittel für den Aufbau und Betrieb eines „Datenportals für die Rassismus- und Rechtsextremismusforschung (DP-R|EX)“ bereitgestellt.

Das Zusammenhaltspanel des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (ZHP-FGZ) stellt eine Datenbasis für systematische Analysen zum Zusammenhang zwischen sozio-ökonomischen Lebenslagen, der individuellen Lebensführung, den gruppen- und gesellschaftsbezogenen Einstellungen und Werten der Bevölkerung und ihren politischen Orientierungen und Verhaltensweisen bereit.

Zudem unterstützt das BMFTR seit Anfang der 2000-er Jahre das Bemühen der Gesellschaftswissenschaften für einen verbesserten Zugang zu statistischen Daten, beispielsweise denen der Rentenversicherung sowie der einschlägigen Landes- und Bundesbehörden. In diesem Zusammenhang wurde der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD) etabliert und bis 2020 durch das BMFTR finanziert. Der RatSWD ist mittlerweile in der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI), als Bestandteil des KonsortSWD verankert. Dort übernimmt er u.a. die wichtige Aufgabe der Akkreditierung von Forschungsdatenzentren und gibt zahlreiche Handreichungen für Forschende und Datennutzende heraus.


Beteiligung an Europäischen Forschungsdateninfrastrukturen

Im Jahr 2002 wurde durch den EU Council der Forschungsminister das multidisziplinäre Europäische Strategieforum für Forschungsinfrastrukturen (European Strategy Forum on Research Infrastructures), ESFRI, ins Leben gerufen. Dies sieht eine Etablierung von exzellenten thematischen und themenübergreifenden Forschungsinfrastrukturen als Verbünde europäischer Partner vor, indem diese in einem Roadmap-Prozess begleitet werden. ESFRI veröffentlich hierfür in regelmäßigen Abständen einen Strategie-Report, die sogenannte „ESFRI-Roadmap“.

Die Bundesrepublik Deutschland ist Mitglied in den meisten europäischen sozialwissenschaftlichen Forschungsdateninfrastrukturen. Für den „Survey on Health, Ageing and Retirement in Europe" (SHARE) ist die internationale Koordination in Deutschland, an dem eigens dafür gegründeten SHARE Berlin Institute (SBI), angesiedelt. Für zwei weitere sozialwissenschaftlich ausgerichtete europäische Infrastrukturen, den „European Social Survey (ESS)“ und das „Consortium of European Social Science Data Archives (CESSDA)“, werden die deutschen Projektarbeiten durch GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften koordiniert.