GERDEA-Abschlusskonferenz: „Geschlecht als Bühne gesellschaftlicher Kämpfe“

Von autoritären Männlichkeitsdiskursen über Tradwives bis zu rechter Gewalt und Rechtsextremismus – im März 2026 lud die Abschlusskonferenz des BMFTR-Verbunds GERDEA dazu ein, Forschungsergebnisse weiterzudenken. Das GERDEA-Team hat seine Erkenntnisse für das GSW-Portal auf den Punkt gebracht.

GERDEA-Abschlusstagung in Darmstadt

GERDEA-Abschlusstagung in Kooperation mit der Schader Stiftung, 19. bis 20.03.2026 in Darmstadt

Kristin Fleck für die Schader Stiftung

Geschlechterverhältnisse werden offener und fluider, zugleich wird der Ruf nach einer vermeintlichen Re-Traditionalisierung immer lauter. Die daraus resultierenden Spannungen innerhalb der Gesellschaft nutzen antidemokratische Kräfte zunehmend für eigene Zwecke. So ist beobachtbar, dass die (extreme) Rechte gesellschaftliche Vorstellungen von Geschlecht und Zusammenleben gezielt bearbeitet und in ihrem Sinne formt. Wie und mit welchen Auswirkungen das geschieht, hat der Forschungsverbund „Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlichen Geschlechterverhältnissen und der zeitgenössischen extremen Rechten. Dynamiken – Effekte – Ambivalenzen (GERDEA)“ erforscht – von 2023 bis 2026 im Rahmen der BMFTR-Förderlinie "Aktuelle und historische Dynamiken von Rechtsextremismus und Rassismus".

Gemeinsame Wissensproduktion

Im Fokus des GERDEA-Verbunds stehen folgende Fragen: Welchen Anklang finden extrem rechte Geschlechterpolitiken in unterschiedlichen Teilen der Gesellschaft? Welche Rolle spielt der Wandel der Geschlechterverhältnisse dafür, dass sich mehr und mehr Menschen der extremen Rechten zuwenden? Und: Welche Bedeutung hat die Kategorie „Geschlecht“ für die gesellschaftliche Wahrnehmung extrem rechter Akteure? Ziel von GERDEA war und ist, all diese Zusammenhänge sichtbar zu machen und neue Handlungsmöglichkeiten für demokratische Akteurinnen und Akteure zu erschließen (siehe Box). Dank der engen Zusammenarbeit mit Praxispartnern sind Erfahrungen und Fragen aus verschiedenen Praxisfeldern in den Forschungsprozess geflossen, sodass konkrete Handlungsempfehlungen, etwa für Bildung, Justiz, Präventionsarbeit und Gewaltschutz entwickelt wurden.

„Der GERDEA-Gesamtverbund war von Beginn an nicht nur als Forschungszusammenhang konzipiert, sondern auch als Diskussionsforum mit der Fachpraxis und unseren Praxispartnern. Ziel war kein klassischer Wissenstransfer, sondern gemeinsame Wissensproduktion“, sagt Verbundleiterin Prof. Dr. Michaela Köttig und betont: „Dieses Konzept wurde auch auf der Abschlusstagung in der Schader-Stiftung in Darmstadt fortgeführt.“

Innovative Abschlusstagung

Eingang zur GERDEA-Abschlusstagung in Darmstadt

GERDEA-Abschlusstagung in Kooperation mit der Schader Stiftung, 19. bis 20.03.2026 in Darmstadt

Kristin Fleck für die Schader Stiftung

Rund 70 Gäste nahmen an der zweitägigen GERDEA-Abschlusskonferenz teil. Sie fand am 19. und 20. März 2026 in Darmstadt statt (siehe Programm). „Unter dem Titel ‚Geschlecht als Bühne gesellschaftlicher Kämpfe‘ diskutierten wir die Ergebnisse der Teilprojekte in Dialogformaten mit Wissenschaft und Praxis. In neun Dialogforen wurden die Befunde zum Ausgangspunkt für vertiefte Analysen und die Entwicklung konkreter Handlungsideen“, fasst Köttig zusammen.

Um möglichst viele Menschen ins Gespräch zu bringen, setzte die Abschlusstagung auf innovative, praxisorientierte Formate: Zum Eintauchen beleuchtete Prof. Dr. Ursula Birsl die Idee des Verbundes mit seinen einzelnen Teilprojekten mit Blick auf die gegenwärtigen, auch internationalen Entwicklungen der autoritären und libertär-autoritären Rechten. Dann loteten die Teilnehmenden bei Fishbowl-Diskussionen die Ergebnisse der Teilprojekte in der Tiefe – und auch aus unterschiedlichen Blickwinkeln – aus. Bei zwei Diving Deeps stand die inhaltliche Vertiefung, Diskussion und Weiterentwicklung in Dialogforen auf der Agenda. Natürlich schlug auch der Poetryslam mit Fee Brembeck hohe Wellen. Die konkreten Inhalte und Ergebnisse aus den Sessions wurden im Verlauf der Tagung in insgesamt neun Dialogforen zum Ausgangspunkt für intensive Gesellschaftsanalysen genutzt.

Die Dialogforen drehten sich um folgende Fragen: Worauf baut die (extreme) Rechte auf, an was knüpft sie an und was macht sie sich zunutze? Wie spiegeln sich ihre Einflussnahmen in Diskursen, in Jugendkulturen, in Social-Media-Aktivitäten und bis in Gerichtssäle wider? Wie werden diese rechten Aktivitäten jenseits ihrer eigenen Milieus wirksam und aufgegriffen? Beim erfrischten Auftauchen am zweiten Konferenztag haben die Teilnehmenden ihre neu gewonnen Erkenntnisse miteinander verbunden und die nächsten Schritte benannt. Die Zusammenarbeit mit der Schader-Stiftung – spezialisiert auf Formate des Wissenschaft-Praxisdialogs – habe, so ein Fazit zur Tagung, wesentlich dazu beigetragen, dass die Ergebnisse der Dialogforen in konkrete Handlungsideen mündeten. Ihre Erkenntnisse haben die GERDEA-Projektbeteiligten für das GSW-Portal auf den Punkt gebracht.

Hier geht’s zu den Statements: 

Statement Paula Matthies und Viktoria Rösch

Statement Dr. Marie Reusch und Dr. Juliane Lang

Statement Yannik Markhof

Statement Prof. Dr. Ursula Birsl

Statement Prof. Dr. Michaela Köttig

GERDEA Projektwebsite 

GERDEA-Publikationen

Zum Reinhören: Neue Podcastfolge: Männlichkeit im Wandel und die Konjunktur autoritärer Männlichkeitsdiskurse. Host Jonas Gärtner spricht mit Yannik Markhof vom Dissens – Institut für Bildung und Forschung über das Forschungsprojekt GERDEA sowie das Teilforschungsprojekt zu Männlichkeitsdiskursen der (extrem) Rechten und der Manosphere. Hier geht’s zum GERDEA-Podcast

Das Verbundprojekt „Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlichen Geschlechterverhältnissen und der zeitgenössischen extremen Rechten. Dynamiken – Effekte – Ambivalenzen (GERDEA)

Das BMFTR-Verbundvorhaben GERDEA verfolgt die übergeordneten Ziele, die Wechselwirkungen zwischen rechtsextremen Akteurinnen und Akteuren sowie zeitgenössischen gesellschaftlichen Geschlechterverhältnissen zu untersuchen, als auch zu analysieren, wie extrem rechte und regressiv-neoliberale geschlechtsbezogene Deutungsangebote in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung um Geschlechterverhältnisse wirken und wahrgenommen werden. Es wird im Rahmen der Förderlinie "Aktuelle und historische Dynamiken von Rechtsextremismus und Rassismus" des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) mit einer Projektlaufzeit von Januar 2023 bis Juni 2026 gefördert. Verbundleitung: Prof. Dr. Michaela Köttig.

Forschungspartner: Frankfurt University of Applied Sciences, Justus-Liebig-Universität Gießen, Dissens - Institut für Bildung und Forschung e. V., Philipps-Universität Marburg;

Praxispartner: Bundesverband Mobile Beratung e.V., Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe – Frauen gegen Gewalt e.V. , Bundesarbeitsgemeinschaft Jungenarbeit e.V., Paritätisches Bildungswerk Bundesverband e.V. und Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland e.V.

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