Im Dialog: das FGZ-Fellowprogramm

Das Fellow-Programm des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) lädt Forschende, Promovierende und Postdocs ein, an den FGZ-Forschungsthemen und -zielen mitzuwirken. Welchen Mehrwert bringt es für die Fellows und für das FGZ?

Im Interview: Cedric Jürgensen, Standortkoordinator FGZ Leipzig

Herr Jürgensen, welche Bedeutung hat das Fellowprogramm für die Entwicklung des FGZ?

Cedric Jürgensen, Standortkoordinator FGZ Leipzig

Cedric Jürgensen, Standortkoordinator FGZ Leipzig

Peter Kronenberg

Am FGZ verbinden wir Grundlagenforschung mit anwendungsnaher Forschung, die sich mit aktuellen Herausforderungen des gesellschaftlichen Zusammenhalts auseinandersetzt. Das Fellowprogramm ermöglicht uns, hierfür gezielt exzellente Forschende oder auch Expertinnen und Experten aus der Praxis für eine begrenzte Zeit ans FGZ zu holen. Dadurch können wir unser Forschungsspektrum um bestimmte Disziplinen oder Methoden erweitern oder andere Perspektiven einbeziehen, zum Beispiel aus der Wirtschaft, der Zivilgesellschaft oder von internationalen Partnern. Gleichzeitig soll die Zusammenarbeit auch nach dem Ende des Fellowships fortgesetzt werden. Wir sehen es auch als eine Chance, um langfristige Kooperationen aufzubauen und zu intensivieren.

Was ist das Besondere an Ihrem Programm? Wie ist die Resonanz?

Die Fellows erhalten Reisekosten sowie ein Stipendium für einen Aufenthalt von zwei Wochen bis sechs Monaten an einem oder mehreren Standorten des FGZ. Die Dauer des Fellowships ist also flexibel und kann an den Umfang des Projekts, das die/der Fellow währenddessen umsetzen möchte, angepasst werden. Die Fellows erhalten zudem Zugang zu einem interdisziplinären und standortübergreifenden Forschungsnetzwerk. Daraus können gemeinsame Publikationen, Veranstaltungen oder neue Forschungsprojekte entstehen. Zugleich gewinnen sie Einblicke in unterschiedliche Forschungsumgebungen und können ihre eigenen Ansätze mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen diskutieren. Idealerweise endet der Austausch daher nicht mit dem Fellowship, sondern bildet den Ausgangspunkt für eine längerfristige Zusammenarbeit.

Das Fellowprogramm erfreut sich regen Interesses und wir können bereits wenige Monate nach dem Relaunch des Programms die ersten Fellows am FGZ begrüßen. Nichtsdestotrotz freuen wir uns natürlich über weitere Interessentinnen und Interessanten und Bewerbungen.

Welche Themen stehen derzeit und in den kommenden Jahren im Fokus?

Für das Jahr 2026 liegt unser Fokus auf den Themen sozial-ökologische Transformation und Marginalisierung und Ungleichheit. 2027 möchten wir dann insbesondere den interdisziplinären Austausch mit am FGZ unterrepräsentierten Disziplinen und Themenbereichen stärken. Hierzu zählen beispielsweise eine stärkere analytische Einbeziehung von Bildmedien und Emotionen sowie von Perspektiven aus der Ökonomie. Für das Jahr 2028 ist geplant, vor allem Fellows zu fördern, die den übergreifenden Leitfragen unserer derzeitigen Förderphase arbeiten. Dies sind zum einen Fragen zu krisenhafter Zugehörigkeit und kollektiver Identität sowie Forschung zur Konzeption demokratischen Zusammenhalts.

Welche Kriterien sind bei der Auswahl der Fellows ausschlaggebend?

Bewerben können sich exzellente Forschende aller Karrierestufen sowie hochqualifizierte Personen aus der Praxis, beispielsweise der Wirtschaft oder der Zivilgesellschaft. Im Vordergrund steht das Vorhaben, dass die/der Fellow während des Aufenthalts realisieren möchte. Hierbei ist vor allem wichtig, dass es zum Forschungs- und Transferprogramm des FGZ passt und idealerweise auch eine Relevanz zu den jeweiligen Jahresschwerpunktthemen aufweist. Zudem müssen die Ziele des Vorhabens, beispielsweise eine Publikation oder die Organisation eines Workshops, realistisch und für die Dauer des Fellowships angemessen sein. Ein weiteres Kriterium ist das Potenzial für eine langfristige Zusammenarbeit oder die Intensivierung einer bestehenden Kooperation, die sich aus dem Fellowship ergeben könnte.

Was erwartet die Fellows während ihres Aufenthalts am FGZ – welche Möglichkeiten des Austauschs und der Zusammenarbeit gibt es?

Die Fellows werden in das Team des jeweiligen Standorts integriert und können natürlich an den dortigen Veranstaltungen, Treffen und Workshops teilnehmen. Darüber hinaus freuen wir uns, wenn sich die Fellows aktiv an den standortübergreifenden Institutskolloquien, den Veranstaltungen des Themenfelds, dem sie zugeordnet sind, und den zentralen Veranstaltungen des FGZ, wie beispielsweise Querschnittstagungen oder der Jahreskonferenz, beteiligen.  

Und noch ein Blick in die Zukunft: Welche Pläne haben Sie für das Fellowprogramm?

In den nächsten Jahren möchten wir das Fellowprogramm dafür nutzen, spannende Perspektiven und exzellente Forschende aus der ganzen Welt an das FGZ zu holen und unsere Kooperationen auszubauen. Langfristig könnte das Programm noch weiter ausgebaut werden, um den wissenschaftlichen Austausch zu intensivieren und die Vielfalt der Perspektiven am FGZ weiter zu stärken.  

Besten Dank für Ihre Einblicke, lieber Herr Jürgensen und weiterhin viel Erfolg!

(Das Interview erfolgte schriftlich am $. August; Fragen: Katrin Schlotter)

Das Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ)

Das Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) ist ein interdisziplinäres, transferorientiertes und ortsverteiltes Institut. Sein Aufbau wird seit 2020 vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Wege der Projektförderung gefördert. Die elf Teilinstitute – acht Universitäten und drei außeruniversitäre Forschungseinrichtungen – bringen sich mit jeweils eigenen Profilen in das FGZ ein. Das FGZ verbindet Grundlagenforschung zum gesellschaftlichen Zusammenhalt mit anwendungsnaher Forschung zu aktuellen Herausforderungen aus einer Vielfalt an disziplinären Perspektiven.

Mehr zum Thema: