Mit der zweiten Förderlinie zum Thema „Ursachen und Dynamiken des aktuellen Antisemitismus“, die im Dezember 2024 erschienen ist, setzt das BMFTR neue Schwerpunkte: Ziel ist, Wissen und Verständnis zum Antisemitismus in seinen aktuellen Ausprägungen weiter zu vertiefen – insbesondere mit Blick auf den israelbezogenen und oft über die sozialen Medien geschürten Antisemitismus. Zudem soll jüdisches Leben als selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft noch sichtbarer gemacht und unterstützt werden.
Ein Begleitvorhaben und 14 neue Projekte
Mit der neuen Förderung stärkt das BMFTR sowohl die Grundlagen- als auch die anwendungsorientierte Forschung. Gleiches gilt für die Verankerung der Antisemitismusforschung an Hochschulen, Hochschulen für angewandte Wissenschaft und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Zudem soll die Antisemitismusforschung in Deutschland und Europa weiterhin strukturell vernetzt werden.
Unter dem Dach des wissenschaftlichen Begleitvorhabens „Forschungsnetzwerk Antisemitismus im 21. Jahrhundert“ (FoNA21) nehmen 14 ausgewählte Verbundprojekte seit März 2026 ihre Arbeit auf – zusammen mit Praxispartnern. Ihr gemeinsames Ziel: ihre Erkenntnisse aus der Antisemitismusforschung in Bildung, Politik und Gesellschaft zu bringen. Die Laufzeit der BMFTR-Projekte beträgt bis zu vier Jahre.
Vernetzte Antisemitismusforschung
Das wissenschaftliche Begleitvorhaben „Forschungsnetzwerk Antisemitismus im 21. Jahrhundert“ (FoNA21) aus der ersten Förderphase wird erneut gefördert, aus gleich mehreren Gründen: Zum einen stärkt es die Vernetzung der geförderten BMFTR-Vorhaben mit der nationalen und internationalen Forschungslandschaft, stellt Verbindungen her, organisiert Kooperationsveranstaltungen und erhöht so die Sichtbarkeit der Forschung. Zudem bleiben die Projektergebnisse der ersten Förderrichtlinie gebündelt sichtbar. Auch die nach Projektende publizierten Tagungsbände, Beiträge oder Nachwuchspublikationen erhalten dank FoNA21 eine größere Reichweite. Zum anderen ermöglicht die Förderung den kontinuierlichen Auf- und Ausbau eines wissenschaftlichen Netzwerkes der Antisemitismusforschung in Deutschland, das auch über die geförderten Projekte hinausgeht. Vorgesehen ist überdies eine engere Kooperation mit den anderen BMFTR-Wissensnetzwerken wie WinRA (Rassismusforschung), Wi-REX (Rechtsextremismusforschung) und RADIS (Islamismusforschung).
Exzellente Forschungsverbünde
Ab März 2026 starten die ersten Projekte der zweiten BMFTR-Förderrichtlinie „Aktuelle Dynamiken und Herausforderungen des Antisemitismus“. Unter den 14 ausgewählten Projekten forschen zwei Projekte zum Themenkomplex Antisemitismus und Hochschule; ein weiteres Projekt zu „Antisemitismus am Arbeitsplatz“. Auch die Rolle von Social Media am Beispiel „YouTube“ rückt in den Fokus der Forschung: Hier wird untersucht, wie antisemitische Inhalte verbreitet werden und wie die entsprechenden Akteure agieren. Andere Projekte wiederum forschen zu Gedenk- und Bildungseinrichtungen und der Konfrontation mit israelbezogenem Antisemitismus; zur Prävention antisemitisch motivierter Straftaten; zu Dialogräumen zur Reflexion von Antisemitismuserfahrungen sowie zur Kinder- und Jugendarbeit. Zudem nimmt ein Projekt Antisemitismus in (p)ostmigrantischen Gesellschaften in den Blick. Nicht zuletzt analysiert ein Projekt antisemitische Denkmuster und stellt diesen ein anderes Weltbild, die „anerkennende Weltzuwendung“, entgegen, also ein eher gesellschaftstheoretischer und philosophischen Ansatz (hier geht’s zur Übersicht der geförderten Projekte)
So verschieden die Projekte auch ausgerichtet sind, eines haben sie alle gemeinsam: Sie widmen sich aktuellem Antisemitismus aus ganz unterschiedlichen Perspektiven und Disziplinen. Jüdische Wahrnehmungen von Antisemitismus spielen hierbei eine zentrale Rolle. Die Projekte verbinden Theorie und Praxis und sind allesamt auf Transfer in die Öffentlichkeit ausgerichtet. Die Erkenntnisse helfen nicht nur dabei, die Ursachen und Dynamiken des Antisemitismus in seinen aktuellen Ausprägungen besser zu verstehen, sie fließen etwa in die Entwicklung von Bildungsmodulen zur Antisemitismusprävention ein, ebenso wie in die Fortbildung von psychosozialen Fachkräften und in politische Bildungsangebote.
Rund 12 Millionen Euro stellte BMFTR für die erste Förderlinie „Aktuelle Dynamiken und Herausforderungen des Antisemitismus (2021-2025) bereit. Im Fokus standen sowohl die Grundlagen- als auch die anwendungsorientierte Forschung zum Antisemitismus in Deutschland und Europa. Der Transfer zwischen Forschung und Praxis und die Einbeziehung jüdischer Perspektiven nahmen dabei eine tragende Rolle ein. Die Förderlinie war Teil des Rahmenprogramms für die Geistes- und Sozialwissenschaften „Gesellschaft verstehen – Zukunft gestalten“ (2019 bis 2025) und zugleich Teil der umfangreichen Förderung des BMFTR gegen Extremismus und Radikalisierung (siehe Box). Mit der zweiten Förderphase setzt das BMFTR sein Engagement gegen Antisemitismus fort und stärkt so die Säulen der demokratischen Gesellschaft.
Im BMFTR-Rahmenprogramm für die Geistes- und Sozialwissenschaften (2019 – 2025) „Gesellschaft verstehen – Zukunft gestalten“ hat die Extremismus- und Radikalisierungsforschung eine zentrale Rolle eingenommen. Das BMFTR hat dafür mehrere Förderlinien auf den Weg gebracht: Ziel war und ist, durch interdisziplinäre Forschung mehr Wissen über die vielfältigen Hintergründe, Dynamiken und Formen von Gewalt und Extremismus zu erlangen, die unser Zusammenleben gefährden. Dazu zählen Antisemitismus, Rechtsextremismus, Rassismus, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Islamismus in Deutschland und Europa.