Antisemitismusforschung: Judenhass verstehen und bekämpfen
Antisemitismus ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das bis in die Mitte der Gesellschaft hineinreicht und jüdisches Leben einschränkt und bedroht. Das BMFTR engagiert sich durch Forschungsförderung gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben.
Das BMFTR fördert die Antisemitismusforschung, um Judenhass besser zu verstehen und bekämpfen zu können.
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Antisemitismus, dies zeigen jüngste die Folgen des 7. Oktober 2023, bedroht das demokratische Zusammenleben und das jüdische Leben in Deutschland und Europa. Sichtbarer geworden ist dies unter anderem in den Sozialen Medien, wo sich nicht nur der israelbezogene Antisemitismus deutlich zeigt. Seit 2021 fördert das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt daher Forschungsprojekte, die sich den aktuellen Ursachen und Dynamiken des Antisemitismus widmen.
Das BMFTR fördert die Antisemitismusforschung, um Judenhass besser zu verstehen und bekämpfen zu können.
Um Ursachen und aktuelle Dynamiken zu verstehen und zielgenau zu bekämpfen, hilft die genaue Erforschung des Antisemitismus durch die Wissenschaft. Mit zwei Fördermaßnahmen wird sowohl die Grundlagen- als auch die anwendungsorientierte Forschung zum Antisemitismus in Deutschland gefördert. In einer ersten Förderrichtlinie „Aktuelle Dynamiken und Herausforderungen des Antisemitismus“ wurden von 2021 bis 2026 zehn Forschungsverbünde und ein Metavorhaben gefördert.
Mit der zweiten Förderrichtline „Ursachen und Dynamiken des aktuellen Antisemitismus“ wird ein Fokus auf die veränderten Dynamiken nach dem 7. Oktober 2023 gelegt und es werden Forschungen etwa zu Antisemitismus am Arbeitsplatz, in den Sozialen Medien und im Bereich der Jugendarbeit gelegt.
Ziel beider Fördermaßnahmen ist die forschungsbasierte Entwicklung von Handlungsempfehlungen gegen Antisemitismus. Zudem sind in beiden Förderrichtlinien Praxispartner eingebunden, die bei der zielgenauen Entwicklung und dem Transfer der Handlungsempfehlungen unterstützen.
BMFTR-Förderrichtlinie: „Ursachen und Dynamiken des aktuellen Antisemitismus“ (2026-2030)
Die Förderrichtlinie zielt darauf, die Wissensbasis und das Verständnis zum Phänomenbereich Antisemitismus in seinen aktuellen Ausprägungen weiter zu vertiefen. Zudem soll jüdisches Leben als selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft noch sichtbarer gemacht und unterstützt werden. Ein Ziel der Richtlinie ist es, Antisemitismus durch wissenschaftliche Forschungsprojekte mit Praxisbezug zu erkennen, zu analysieren und daraus gegebenenfalls auch praxisrelevante Empfehlungen zu entwickeln.
In der zweiten Fördermaßnahme forschen 14 Einzel- und Verbundvorhaben zu aktuellen Herausforderungen des Antisemitismus für die Gesellschaft. Dazu zählen Vorhaben mit dem Fokus auf „Antisemitismus am Arbeitsplatz“ bis hin zum Thema „Jüdische Erzählungen in der deutschen Gesellschaft“ sowie zwei Projekte, die sich dezidiert dem fortschreitenden Antisemitismus an Hochschulen widmen.
Das wissenschaftliche Begleitvorhaben „Forschungsnetzwerk Antisemitismusforschung im 21. Jahrhundert“ (FoNA21) wird seine erfolgreiche Vernetzungs- und Transferarbeit aus der ersten Förderrichtlinie fortführen. FoNA21 wird die Vorhaben der Förderrichtlinie dazu mit vielen Kommunikations- und Kollaborationsformaten unterstützen sowie die nationale und internationale Vernetzung ausbauen und Ansprechpartner für Politik, Gesellschaft und Forschung sein.
In der folgenden kurzen Übersicht sind die Ziele der Vorhaben ersichtlich, eine detailliertere Übersicht findet sich auf den Seiten von FoNA21.
A3 – Antisemitismus am Arbeitsplatz
Universität Mainz, Sozial- und Rechtspsychologie
Projektleitung: Dr. Fiona Kazarovytska Kurzbeschreibung: Das gesamtgesellschaftliche Problem des Antisemitismus macht auch vor dem Arbeitsplatz nicht Halt. Das partizipative Forschungsprojekt kombiniert Interviews, Experience Sampling und Interventionsansätze, um Erfahrungen mit Antisemitismus am Arbeitsplatz zu verstehen und sichtbar zu machen.
AntOstMig: Antisemitismus in der (p)ostmigrantischen Gesellschaft
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Projektleitung: Dr. Darja Klingenberg Kurzbeschreibung: Das Projekt AntOstMig untersucht Erfahrungen, Thematisierungsweisen und Formationen von Antisemitismus in jüdischen und nicht-jüdischen russisch- und ukrainischsprachigen migrantischen Milieus in Deutschland.
ASJA: Antisemitismus in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit
Verbundkoordination: Dr. Frank Greuel Kurzbeschreibung: Das Projekt ermittelt Unterstützungsbedarfe von Fachkräften der Offenen Kinder- und Jugendarbeit zur Prävention und pädagogischen Bearbeitung aktueller Erscheinungsformen des Antisemitismus. Auf deren Basis werden passgenaue Fortbildungsangebote entwickelt, erprobt und wirkungsorientiert evaluiert.
AWA: Anerkennende Weltzuwendung und Antisemitismus
Leibniz Universität Hannover/IU-International University
Verbundkoordination: Dr. Elizaveta Firsova-Eckert Kurzbeschreibung: Im Rahmen von „AWA: Anerkennende Weltzuwendung und Antisemitismus“ sollen in Referenz auf die Negative Dialektik Adornos idealtypische Facetten einer anerkennenden Weltzuwendung herausgearbeitet werden, die für begrifflich-denkende Zuwendungen zu Welt und Selbst ethisch bedeutsam sind. Die Facetten werden in ein Messinstrument übersetzt und im Zusammenhang mit etablierten und neu entwickelten Skalen zur Messung von Antisemitismus in Beziehung gesetzt. Auf dieser Grundlage werden Handlungsempfehlungen für die antisemitismuskritische Erwachsenenbildung entwickelt und in Multiplikator*innenweiterbildungen überführt.
DAYVid: Decoding Antisemitismus in YouTube Videos
Universität Trier/Tikvah Institut Berlin/ Weizenbaum Institut
Verbundkoordination: Dr. Thomas Grotum Kurzbeschreibung: Das Projekt entwickelt eine multimethodische Herangehensweise an YouTube-Videos und analysiert vier Phänomenbereiche des Antisemitismus auf der Plattform (rechte, linke, islamistische sowie Infotainment Inhalte). Im Anschluss werden zwei Transferformate entwickelt und in drei Bundesländern erprobt.
IANSGE: Israelbezogener Antisemitismus und die Auswirkungen des 7. Oktober 2023 auf die historisch-politische Bildungsarbeit in NS-Gedenkstätten und Erinnerungsorten
Touro University Berlin/Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz
Verbundkoordination: Dr. Dagmar Lieske Kurzbeschreibung: Im Verbundprojekt IANSGE fragen wir danach, ob und wenn ja auf welche Weise israelbezogener Antisemitismus seit dem Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 und der Krieg in Gaza die Gedenkstättenarbeit beeinflusst. Dazu werden in enger Zusammenarbeit zwischen der Touro University Berlin sowie der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz an bundesweit acht KZ-Gedenkstätten und NS-Erinnerungsorten Interviews mit dem dortigen Personal durchgeführt. Ein besonderes Augenmerk wird auf didaktische Fragestellungen gelegt.
Verbundkoordination: Prof. Dr. Cornelia Weins Kurzbeschreibung: Das Projekt untersucht antisemitische Straftaten in Deutschland von 2022–2025, um empirische Grundlagen für sekundäre und tertiäre Prävention zu schaffen. Anhand staatsanwaltschaftlicher Akten, Präventionsfallakten und Interviews mit Inhaftierten werden Tätertypen und Risikokonstellationen analysiert, um zielgruppenspezifische Präventionsansätze zu entwickeln.
RE-ACT: Jüdische Reaktionen auf Antisemitismus in Bildungsinstitutionen
Institut für die Geschichte der deutschen Juden (IGdJ) Hamburg/ Akademie der Weltreligionen, Universität Hamburg/ Institut für Rechtsextremismusforschung, Universität Tübingen/ Kompetenzzentrum antisemitismuskritische Bildung
Verbundkoordination: Dr. Karen Körber Kurzbeschreibung: Das interdisziplinäre Verbundvorhaben untersucht die Reaktionen von Jüdinnen und Juden als Betroffene von Antisemitismus sowie die Bedingungen und Einschränkungen ihrer Partizipation in Bildungsinstitutionen, mit dem Ziel, Antisemitismus in institutionellen Bildungskontexten entgegenzuwirken und jüdische Teilhabe zu fördern.
SYN-safe: Hiding in plain sight. Sichtbare Architektur und unsichere Juden. Antisemitismus und Synagogen aus Sicht von Architektur, jüdischen Gemeinden und Polizei
Technische Universität Carolo Wilhemina Braunschweig/ Tikvah Institut Berlin/ Hochschule für Polizei und Öffentliche Verwaltung NRW Dortmund
Verbundkoordination: PD Dr. Ulrich Knufinke Kurzbeschreibung: Synagogen und jüdische Gemeindezentren repräsentieren in vielen Städten deutlich sichtbar jüdisches Gemeindeleben in Deutschland. Ihre Bauten sollen sich aus Sicht jüdischer Gemeinden einladend öffnen, gleichzeitig aber einen sicheren Schutzraum bilden – ein Widerspruch, der in der Architektur und im Gemeindealltag zum Tragen kommt. Polizeibeamte schützen Synagogen außen, Sicherheitsdienste im Inneren, aber fühlen sich Besucher und Gemeindemitglieder sicher? Das Projekt nimmt die für die subjektive und objektive Sicherheit relevanten Aspekte in den Blick: Architektur, Sicherheitsempfinden der jüdischen Gemeinde sowie Objektschutz durch Polizei und Sicherheitsunternehmen. Ziel ist die Stärkung der Sicherheit von Synagogen.
Un_An_MMZ: Unlearning Antisemitism. Jüdische Erzählungen in der deutschen Gesellschaft
Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien, Potsdam/ Arbeitsgemeinschaft Jugend und Bildung e.V.
Verbundkoordination: Prof. Dr. Miriam Rürup Kurzbeschreibung: Im Fokus des Verbundprojektes steht die Darstellung von Jüd:innen in videografierten Interviews. Als empirische Grundlage wird der Einsatz von Zeitzeugenschaft in der Demokratieerziehung und Fachdidaktik untersucht. Zeitgleich entsteht eine neue Interviewsammlung zum DDR- und Gegenwartsjudentum. Beides führt zum Projektziel eines multimedialen Werkzeugkoffers und eines Handbuchs für Fachdidaktik und Lehrer:innen.
JuStud: Dynamiken, Erscheinungsformen und Folgen des Antisemitismus im Hochschulkontext aus Sicht jüdischer Studierender
Ruhr-Universität Bochum, Institut für Erziehungswissenschaft, Professur für Lebenslanges Lernen
Projektleitung: Prof. Dr. Falk Scheidig Kurzbeschreibung: Mit dem Projekt sollen Dynamiken, Erscheinungsformen und Folgen des Antisemitismus an deutschen Hochschulen aus Sicht jüdischer Studierender erforscht und die gewonnenen Erkenntnisse in Empfehlungen für hochschulische Handlungsstrategien übersetzt werden.
AnSU: Antisemitismus an deutschen Universitäten
Else-Frenkel-Brunswik-Institut, Research Center for Global Dynamics, Universität Leipzig/ Deutsches Institut für Menschenrechte, Berlin
Verbundkoordination: Prof. Dr. Oliver Decker Kurzbeschreibung: Das Forschungsprojekt Antisemitismus unter Studierenden an deutschen Universitäten (AnSU) untersucht auf Initiative der Universität Leipzig empirisch die Verbreitung, Funktion und Wirksamkeit antisemitischer Ressentiments unter Studierenden an deutschen Hochschulen.
BMFTR-Förderrichtlinie: „Aktuelle Dynamiken und Herausforderungen des Antisemitismus“ (2021-2026)
Bereits im Rahmen der ersten Förderphase unterstützte das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) von 2021 bis 2026 Forschungsverbünde an Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen aus ganz Deutschland. Mit der Förderrichtlinie „Ursachen und Dynamiken des aktuellen Antisemitismus“ (Bundesanzeiger vom 16.12.2024) wurden zehn Forschungsverbünde sowie das Metavorhaben FoNA21 gefördert. Um die Vernetzung der Forschungslandschaft in Deutschland zu verstärken und auch die interdisziplinäre Kooperation zu stärken, wurden ausschließlich Verbundvorhaben gefördert. Die Kooperation mit Praxispartnern war fester Bestandteil der Förderrichtlinie. Im Ergebnis entstanden praxisrelevante Handlungsempfehlungen für Praxis, Gesellschaft, Wissenschaft und Politik.
Die Ergebnisse der Förderrichtlinie wurden durch das begleitende Metavorhaben „Forschungsnetzwerk Antisemitismusforschung im 21. Jahrhundert“ zusammengetragen. Ein Film fasst die verschiedenen Projekte zusammen.
Die Förderrichtlinie (Bundesanzeiger vom 07.04.2020) gehörte, gemeinsam mit anderen Förderaktivitäten des BMFTR, zum erweiterten Themenkomplex der Radikalisierungs- und Extremismusforschung des BMFTR-Rahmenprogramms für die Geistes- und Sozialwissenschaften. Eine kurze Vorstellung der einzelnen Verbundvorhaben findet sich unten.
Vorstellung der Vorhaben der ersten Förderphase
FoNA21- Forschungsnetzwerk Antisemitismus im 21. Jahrhundert
Technische Universität Berlin, Zentrum für Antisemitismusforschung Projektleitung: Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum (Technische Universität Berlin) Kurzbeschreibung: Das Forschungsnetzwerk Antisemitismus im 21. Jahrhundert begleitet die Forschungsprojekte, unterstützt sie bei der Vernetzung und wird die Ergebnisse der aus Forschung Akteuren aus der Praxis zur Verfügung stellen.
AIES - Antisemitismus im europäischen Schulunterricht
Europa-Universität Flensburg - Zentrum für Bildungs-, Unterrichts-, Schul- und Sozialisationsforschung (ZeBUSS); Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf – Institut für Romanistik Verbundkoordination: Prof. Dr Iulia-Karin Partrut (Europa-Universität Flensburg) Kurzbeschreibung: Das Verbundvorhaben erforscht Dynamiken, Erscheinungsformen und Wirkungen des Antisemitismus in Europa und entwickelt in Kooperation mit Schulen in Deutschland, Frankreich, Spanien und Rumänien mehrsprachiges digitales Unterrichtsmaterial zur Antisemitismusprävention im fächerübergreifenden europäischen Schulunterricht.
RESPOND – NEIN zu Judenhass im Netz! Entwicklung, Implementierung und Evaluierung eines Multiplikatorentrainings zur Bekämpfung antisemitischer Hassrede auf den sozialen Medien junger Menschen
Touro College Berlin gGmbH; Universität Potsdam – Departement Inklusionspädagogik; FH Bielefeld – Fachbereich Sozialwesen; Jüdische Gemeinde zu Berlin (Praxispartner) Verbundkoordination: Prof. Dr. Özen Odağ (Touro College Berlin gGmbH) Kurzbeschreibung: Das Verbundvorhaben RESPOND! verfolgt das Ziel, eine Gegenstimme zur Bekämpfung antisemitischer Hassrede im deutschsprachigen Netz für junge Menschen zu entwickeln. Dafür werden zunächst die Manifestationsformen von Antisemitismus in den sozialen Medien sowie die Vulnerabilitäten und Kompetenzen junger Menschen im Umgang damit analysiert. Darauf aufbauend wird das RESPOND!-Multiplikatorentraining zur Entwicklung eines medienkompetenten Umgangs mit antisemitischer Hassrede im Netz entwickelt, implementiert und evaluiert. Erkenntnisse aus dem Multiplikatorentraining werden im letzten Projektjahr an Lehrerinnen und Lehrer weitervermittelt.
ChrisZa – Christliche Signaturen des zeitgenössischen Antisemitismus.
Freie Universität Berlin – Seminar für Katholische Theologie; Georg-Eckert-Institut, Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung; Evangelische Akademien in Deutschland e.V Verbundkoordination: Prof. Dr. Rainer Kampling (Freie Universität Berlin) Kurzbeschreibung: Das Verbundvorhaben widmet sich der Identifizierung und wissenschaftlichen Analyse christlicher Elemente des Antisemitismus in seinen historischen und gegenwärtigen Erscheinungsformen und leistet mittels eines breit angelegten Transferkonzepts einen Beitrag zur Vermittlung der Forschungsergebnisse in Wissenschaft, Schule und Erwachsenenbildung. In drei aufeinander abgestimmten Teilvorhaben der historischen Grundlagen- und Bildungsmedienforschung werden die Entstehung dieses Antisemitismus und sein Fortwirken bis in die Gegenwart untersucht.
Net Olam – Jüdische Friedhöfe im Fokus von Antisemitismus und Prävention
Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte an der Universität Duisburg-Essen; Technische Universität Braunschweig – Bet Tfila –Forschungsstelle für jüdische Architektur in Europa; Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Fachbereich „Erfassung jüdischer Grabmäler in Bayern“ Verbundkoordination: Dr. Cordula Lissner (Salomon Ludwig Steinheim-Institut) Kurzbeschreibung: Jüdische Begräbnisstätten sind, für eine Minderheit existenziell, auf Dauer angelegt: „Bet Olam", Haus der Ewigkeit. Übergriffe zeigen jedoch, dass sie verletzliche Orte sind. Das Verbundvorhaben Net Olam leistet eine umfassende interdisziplinäre Datenerhebung und stellt eine neue Basis für weitere Forschung bereit. Durch Erarbeitung von Handreichungen zur Vermittlung bis hin zu konkreten Ansätzen zum Schutz gefährdeter Objekte (Grabsteine/Einfriedungen) werden interdisziplinäre Konzepte zur Prävention erarbeitet.
Alltagskultur – Das Objekt zum Subjekt machen. Jüdische Alltagskultur in Deutschland vermitteln
Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow (DI); Georg-Eckert-Institut – Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung; Arbeitskreis Deutsch-Jüdische Geschichte im Verband der Geschichtslehrer Deutschlands e.V. (VDG) Verbundkoordination: Prof. Dr. Yfaat Weiss (Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow) Kurzbeschreibung: Das Verbundvorhaben verfolgt das Ziel kulturgeschichtliche Grundlagenforschung mit anwendungsorientierter Schulbuchforschung zu verbinden und deren Ergebnisse praxisbezogen für Lehrkräfte und Multiplikator/innen der historisch-politischen Bildung aufzubereiten, um sie für die Bekämpfung des Antisemitismus zu nutzen. Jüdinnen und Juden werden dabei nicht primär als Opfer von Diskriminierung und Verfolgung verstanden, sondern als Subjekte mit pluralen religiösen, weltlichen und politischen Selbstverständnissen.
ASJust - Struggling for Justice - Antisemitismus als justizielle Herausforderung
Justus-Liebig-Universität Gießen - Fachbereich Rechtswissenschaft; Humboldt-Universität zu Berlin – Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Geschlechterstudien; Universität Heidelberg – Institut für ausländisches und internationales Privat- und Wirtschaftsrecht; Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien; Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus e.V. Verbundkoordination: Prof. Dr. Thilo Marauhn (Justus-Liebig-Universität Gießen) Kurzbeschreibung: Der Verbund untersucht die Rolle der Justiz bei der Bekämpfung von Antisemitismus. Er nimmt für die wichtigsten Teilrechtsgebiete eine Bestandsaufnahme vor, fragt nach dem justiziellen (Begriffs-) Verständnis von Antisemitismus, thematisiert dessen Berücksichtigung in Justizprozessen und berücksichtigt insbesondere die Perspektive der Betroffenen.
AE3G – Antisemitismuserfahrung in der Dritten Generation. Zur Reaktualisierung extremen Traumas bei Nachkommen von Überlebenden der Shoah
Sigmund-Freud-Institut; Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen; Technische Universität Berlin – FG Allgemeine Linguistik Verbundkoordination: Dr. Kurt Grünberg (Sigmund-Freud-Institut) Kurzbeschreibung: Im Fokus des interdisziplinären Forschungsverbunds steht die Antisemitismuserfahrung bei Nachkommen von Überlebenden der Shoah. Es soll untersucht werden, ob und wie der zeitgenössische Antisemitismus die Verfolgungserfahrungen der Großeltern im heutigen Leben der Dritten Generation transgenerational re-aktualisiert.
Ritualpraxis – Jüdische Reaktionen auf Antisemitismus: die Entgrenzung des Sag- und Machbaren in der jüdischen Ritualpraxis
Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg / Zentralrat der Juden in Deutschland; Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung e. V. Verbundkoordination: Rabbinerin Prof. Birgit Klein (Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg) Kurzbeschreibung: Das Verbundvorhaben untersucht, inwieweit Jüdinnen und Juden durch antijüdische Darstellung und ablehnende Reaktionen auf jüdische Ritualpraxis in ihrer Religionspraxis beeinflusst werden. Durch Workshops und die Entwicklung von verschiedenen Online-Materialien soll zur vorurteilsfreien Vermittlung jüdischer Ritualpraxis beigetragen werden.
EMPATHIA³ - EMpowering Police officers And TeacHers In Arguing Against Antisemitism
Ruhr-Universität Bochum – Historisches Institut und Center for Religious Studies; Tikvah Institut gemeinnützige UG; Universität Bielefeld – Fakultät für Erziehungswissenschaft; Eberhard-Karls-Universität Tübingen - Hector Institut für Empirische Bildungsforschung; Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW Verbundkoordination: Prof. Nicola Brauch (Ruhr-Universität Bochum) Kurzbeschreibung: Der Verbund EMPATHIA³ professionalisiert angehende Polizist*innen und Lehrer*innen im Umgang mit Antisemitismus. Dazu entwickelt, implementiert, und evaluiert das Projekt ein Kerncurriculum zur Antisemitismusprävention, -intervention und -repression, einen digitalen Test zur Erfassung von Wissen und Einstellungen und ein gemeinsames Kursprogramm für die Zielgruppen.
RelcoDiff – Antisemitismus in pädagogischen Kontexten. Religiös codierte Differenzkonstruktionen in der frühen und mittleren Kindheit
Johann Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main – Fachbereich Erziehungswissenschaften; Institut für die Geschichte der deutschen Juden – Hamburg; Universität Hamburg, Akademie der Weltreligionen Verbundkoordination: Prof. Dr. Isabell Diehm (Johann Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main) Kurzbeschreibung: In dem interdisziplinären Verbundvorhaben sollen die religiösen Differenzkonstruktionen bei Kindern im Vor- und Grundschulalter in drei unterschiedlichen pädagogischen Kontexten (aus der Perspektive der Kinder, ihrer Eltern sowie beteiligter Pädagog*innen und Lehrkräfte) untersucht werden, um antisemitische Haltungen in ihrer Entstehung zu erfassen, zu verstehen und diesen frühzeitig entgegenzuwirken.
Poster-Ausstellung der Förderprojekte (hier auch als PDF)
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Forschungsprojekt zur Sammlung Wolfgang Haney
In einem weiteren Verbundprojekt „Der Sammler und seine Dinge“ erforschen das Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) der Technischen Universität Berlin und die Stiftung Deutsches Historisches Museum (DHM) die umfassende „Sammlung Wolfgang Haney“ mit rund 15.000 Sammlungsobjekten. Das ZfA untersucht die Geschichte von antisemitischen Alltagsobjekten und verknüpft diese mit der Geschichte der Sammlung sowie mit der Biografie des Sammlers Wolfgang Haney. Das DHM erwarb mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und der Kulturstiftung der Länder die für die Antisemitismusforschung herausragende „Sammlung Wolfgang Haney”. Das DHM stellt die Sammlung dem ZfA für die Forschungszwecke zur Verfügung, führt eigene Erschließungs- und Archivierungsarbeiten durch und wird in seiner neuen Dauerausstellung Objekte der Sammlung Haney der Öffentlichkeit präsentieren.
Die Sammlung Haney umfasst bedeutende Zeugnisse zur Geschichte des Antisemitismus, zur Verfolgung und Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden, zu Konzentrationslagern und Ghettos sowie Zeugnisse zur medialen Aufarbeitung des Nationalsozialismus nach 1945 und zu den gegenwärtigen Formen von Rechtsextremismus. Das DHM bewahrt und erhält die Sammlung als Ganzes und schützt sie als ein zeithistorisches Zeugnis vor einem Handel auf dem freien Markt. Projektkoordinator: Prof. Dr. Uffa Jensen/ZfA
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