Sehenswert: Ausstellung „Die Menschheit hat gesagt: Es reicht!“ in Berlin
„Die Menschheit hat gesagt: Es reicht!“ – seit April läuft in Berlin eine Ausstellung zu Plakatgrafiken und Veröffentlichungen aus dem post-revolutionären Kuba im Kalten Krieg. Kuratiert im Rahmen des BMFTR-Projekts WONAGO, macht sie historische Forschung zu ästhetischen Narrativen sichtbar.
Impression aus der Ausstellung „Die Menschheit hat gesagt: Es reicht!“
Ibero-Amerikanisches Institut SPK
Mit einem Symposium am 14. April 2026 wurde die Ausstellung zur Geschichte und Plakatkunst der OSPAAAL, der Solidaritätsorganisation der Völker Afrikas, Asiens und Lateinamerikas, 1966-2019, im Ibero-Amerikanischen Institut, Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin eröffnet und läuft noch bis 6. Juni 2026. Unter dem „Die Menschheit hat gesagt: Es reicht!“ präsentiert sie Plakatgrafiken und Veröffentlichungen aus dem post-revolutionären Kuba im Kalten Krieg. Eine bunte Mischung mit klarer Aussage: Sie alle verkünden den unvermeidbaren Sieg der Revolution in den Staaten der damals sogenannten „Dritten Welt“. Dabei greifen sie avantgardistische Strömungen wie Pop Art, Op Art, Konzeptkunst oder Minimalismus auf.
Graphisches Erbe der OSPAAAL erleben
Dr. Natália Schmiedecke ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich Globalgeschichte der Universität Hamburg und hat zusammen mit Prof. Mücke die Ausstellung im Rahmen des BMFTR-Projekts WONAGO kuratiert.
Entstanden sind die Werke im Auftrag der OSPAAAL, der Organisation für die Solidarität der Völker Afrikas, Asiens und Lateinamerikas in den 1960er und frühen 1970er Jahren im Kontext der Kubanischen Revolution nach dem Sturz des Diktators Fulgencio Batista. Gezeigt werden Originalgrafiken und andere Objekte aus den Sammlungen der Universität Hamburg und des Ibero-Amerikanischen Instituts. „Unsere Ausstellung setzt sich mit der Geschichte der OSPAAAL sowie der politischen und künstlerischen Dimensionen der kulturellen Produktion der Organisation auseinander“, sagt Professor Ullrich Mücke, Projektleiter des BMFTR-Verbundvorhabens "World Order Narratives of the Global South". Er ist seit 2007 Professor für Geschichte Lateinamerikas und der Iberischen Halbinsel am Historischen Seminar der Universität Hamburg und hat die Ausstellung zusammen mit Dr. Natália Ayo Schmiedecke (Universität Hamburg) konzipiert.
Globales revolutionäreres Bewusstsein schaffen
Gegründet wurde die OSPAAAL im Zuge der Trikontinentalen Konferenz in der kubanischen Hauptstadt Havanna im Januar 1966: Mehr als 600 Delegierte aus 82 lateinamerikanischen, afrikanischen und asiatischen Ländern kamen hier zusammen, darunter Staatsoberhäupter und Vertreter revolutionärer Bewegungen. Ihr gemeinsames Ziel: ein globales, revolutionäres Bewusstsein zu schaffen. „Um dieses Bewusstsein zu stärken, produzierte die von Kuba finanzierte Organisation Bücher, Filme, Zeitschriften, Plakate sowie weitere Materialien“, so Mücke, „Sie sind auf das Narrativ eines unvermeidbaren Sieges der Revolution in den Staaten der damals sogenannten „Dritten Welt“ ausgerichtet. Während die OSPAAAL 2019 endgültig geschlossen wurde, wächst international das Interesse der Forschung an ihrem grafischen Erbe, das tief in der Geschichte des Kalten Krieges verankert ist“ (mehr dazu siehe Ausstellungstext).
WONAGO-Forschung sichtbar machen
Prof. Dr. Ulrich Mücke, Projektleiter des WONAGO-Projekts, ist seit 2007 Professor für Geschichte Lateinamerikas und der Iberischen Halbinsel am Historischen Seminar der Universität Hamburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte des 19. Jahrhunderts, Atlantische Geschichte, Lateinamerikanische Geschichte, die Geschichte der Selbstzeugnisse in Lateinamerika, Migrationsgeschichte und die Geschichte des internationalen Handels.
Dass die Ausstellung im Rahmen des BMFTR-geförderten Projekts „World Order Narratives of the Global South (WONAGO)“ entstanden ist, hat gute Gründe. Mit dem Zusammenbruch der bipolaren Welt des Kalten Krieges verschoben sich Machtzentren. Der Globale Süden gewann an Gewicht – politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Dennoch greifen die gängigen Erklärungen oft auf bekannte Muster zurück: die Dominanz der USA, neue Formen von Multilateralismus oder den Wettstreit zwischen Washington und Peking. Doch dabei geraten die Ordnungsvorstellungen vieler Länder des Südens aus dem Blick. Genau hier setzt WONAGO an“, erläutert Projektleiter Mücke. „Wir wollen verstehen, welche Konzepte Staaten und Gesellschaften im Globalen Süden selbst entwickeln. Mit der Ausstellung ‚Die Menschheit hat gesagt: Es reicht!‘ machen wir diese Weltordnungsnarrative, also bewusst formulierte Ideen, die Macht und Interessen mit einer bestimmten Vorstellung der eigenen globalen Position verbinden, sichtbar“.
Die Ausstellung zur Geschichte und Plakatkunst der OSPAAAL, der Solidaritätsorganisation der Völker Afrikas, Asiens und Lateinamerikas, 1966-2019 ist vom 14. April 2026 bis 6. Juni 2026, Montag - Samstag, 9:00 - 19:00 Uhr im Ibero-Amerikanischen Institut, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Potsdamer Straße 37, 10785 Berlin zu sehen.
Impression aus der Ausstellung „Die Menschheit hat gesagt: Es reicht!“
Ibero-Amerikanisches Institut SPK
Das BMFTR-Projekt World Order Narratives of the Global South (WONAGO)
Das Verbundprojekt „World Order Narratives of the Global South” untersucht Weltordnungsnarrative in Lateinamerika und Afrika, dem Nahen Osten und Asien, indem es Weltordnungsnarrative im Globalen Süden, die Rolle von historischen Vorstellungen für die heutigen Weltordnungsnarrative und die Entwicklung alternativer Narrative untersucht. Das Projekt unter der Leitung von Prof. Dr. Ulrich Mückeund und Prof. Dr. Eckart Woertz ist am Arbeitsbereich Globalgeschichte der Geschichtsfakultät der Universität Hamburg angesiedelt und wird in Kooperation mit dem German Institute for Global and Area Studies (GIGA) durchgeführt, gefördert vom BMFTR. Laufzeit: 2021-2027.
Globalgeschichte an der Universität Hamburg
Der Arbeitbereich Globalgeschichte wird von vier Professuren gebildet: Geschichte Lateinamerikas und der Iberischen Halbinsel (Prof. Dr. Ulrich Mücke), Nordamerikanische Geschichte (Prof. Dr. Nina Mackert), Geschichte Afrikas (Prof. Dr. Jürgen Zimmerer) und Nahoststudien (Prof. Dr. Eckart Woertz). An allen vier Professuren wird die Geschichte der jeweiligen Region sowohl hinsichtlich ihrer endogenen Faktoren und Dynamiken als auch in Bezug auf die zahlreichen Verbindungen und Verflechtungen mit anderen Weltregionen untersucht. Für diese Verbindungen spielen Europa, der europäische Kolonialismus und sein Erbe natürlich eine besondere Rolle. Alle vier Professuren haben ihren Schwerpunkt in der Neuzeit, wobei sowohl zur Frühen Neuzeit als auch zum 19. und 20. Jahrhundert gelehrt und geforscht wird.
Das Ibero-Amerikanische Institut (IAI), Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Das Ibero-Amerikanische Institut (IAI) ist eine multidisziplinär orientierte außeruniversitäre Einrichtung der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften. Als Area Studies-Institution hat es einen regionalen Fokus – Lateinamerika, die Karibik, Spanien, Portugal – und berücksichtigt auch transregionale Verflechtungen. Es besitzt damit eine genuin internationale Orientierung. Aufgrund seines Profils sowie seiner inhaltlichen und regionalen Ausrichtung bringt das Ibero-Amerikanische Institut spezifische Kompetenzen, Kenntnisse und Erfahrungen in den Verbund „Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) ein, eine der bedeutendsten Kultureinrichtungen weltweit. Sie vereint Museen, Bibliotheken, Archive und Forschungsinstitute, deren Sammlungen die kulturelle Entwicklung der Menschheit dokumentieren – in Europa und darüber hinaus. Sie ist ein einzigartiger Verbund, in dem alle Sparten kultureller Überlieferung vertreten sind.
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