Gemeinsam Kulturerbe gestalten: Jetzt zum inherit-Roundtable anmelden

Wie lässt sich der Umgang mit Kulturerbe positiv gestalten? Das erfahren Sie hier im Interview mit den Direktorinnen des Käte Hamburger Kollegs „inherit. heritage in transformation“ und am 24. März 2026 im Roundtable „Transforming Heritage: Research, Policy, and Practice in Dialoge“, in Berlin und online.

Ankündigungsbanner „Transforming heritage“

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inherit

Im Interview: Prof. Dr. Eva Ehninger und Dr. Sharon Macdonald, Direktorinnen des Käte Hamburger Kollegs „inherit. heritage in transformation“.

Welche essenzielle Rolle spielen Geisteswissenschaften in unserer Gesellschaft – mit Blick auf das Kulturerbe?

Eva Ehninger:

inherit-Direktorin Eva Ehninger

inherit-Direktorin Eva Ehninger

Michelle Mantel

Geisteswissenschaften machen sichtbar, was oft unsichtbar bleibt. Kulturerbe ist nie neutral, sondern immer eingefärbt mit den Geschichten, die Menschen darüber erzählen. Diese Geschichten können Identität stiften, aber auch andere ausschließen. Geisteswissenschaften erforschen, wo diese Narrative herkommen, wer sie erzählt, wem sie nützen, und wie sie sich stetig verändern.

Wir bei inherit nutzen den englischen Begriff Heritage, um deutlich zu machen, dass wir uns nicht nur für Kulturerbe im engeren Sinne interessieren: Naturerbe, genetisches Erbe, immaterielles Erbe, geerbtes Wissen, Erinnerungskultur – all das sind Facetten, denen wir uns in unserer Forschung widmen.

Sharon Macdonald:

Es macht einen großen Unterschied für Gesellschaften, welche Worte Menschen nutzen, wenn sie über Kulturerbe sprechen. Im Kontext von Museen wird oft von „Objekten" gesprochen – ein Begriff, der scheinbar neutral ist, aber vieles unerzählt lässt: Wem hat ein Objekt gehört, wer hat es genutzt, was bedeutete es für die Communities, aus denen es stammt? Heute nutzen manche Forschende den Begriff Cultural Belongings, um zu markieren, dass Objekte Geschichte und Bedeutung haben, lange bevor sie in ein Museum kommen, und dass sich diese Geschichte auch nach einer Verwahrung im Museum fortsetzen kann.

Welchen Beitrag leisten sie in strategischen Auseinandersetzungen rund um Kulturerbe, Restitution und internationalen kulturellen Austausch?

inherit-Direktorin Sharon Macdonald

inherit-Direktorin Sharon Macdonald

Michelle Mantel

Sharon Macdonald:

Geisteswissenschaftliche Forschung kann aufzeigen, welche Perspektiven in Aushandlungen fehlen, welche Machtdynamiken wirken, und wie Heritage selbst in Veränderung ist. Diese Themen sind essenziell für politische und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse. Heritage-Forschung trägt zu Debatten rund um dringende gesellschaftliche Fragen bei – etwa zum Umgang mit Kulturerbe in internationalen Konflikten oder zur Rückgabe von Cultural Belongings oder Ancestors.

Eva Ehninger:

Ein Beispiel ist die Arbeit von Charlotte Joy, Leiterin der Kultur-Abteilung der britischen UNESCO-Kommission, die momentan als Fellow bei inherit zu Gast ist. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich damit, welche Rolle Wissen und materielle Beweisführung im Umgang mit Kulturerbe in Krisen- und Konfliktsituationen spielen – etwa vor dem Internationalen Strafgerichtshof. In einer Fallstudie widmet sie sich dem Broken Hill Skull (Kabwe 1), einem 1921 im heutigen Sambia gefundenen Schädel, der aktuell im Natural History Museum in London verwahrt wird. Strittig ist, zu wem er gehört, und auf welchem Wege diese Frage beantwortet werden kann.

Wie stellt inherit die Kulturerbeforschung für die Zukunft auf?

Eva Ehninger:

Zentral für uns ist internationales und interdisziplinäres Arbeiten. Jedes Jahr kommen 15 Fellows für bis zu zehn Monate zu uns nach Berlin, um hier gemeinsam mit unserem Team eine Lerngemeinschaft zu bilden und die eigene Forschungsarbeit dort einzubringen. Unsere Fellows kommen aus aller Welt und aus verschiedensten Disziplinen – aktuell aus den Literaturwissenschaften, den Rechtswissenschaften, der Archäologie, der Anthropologie, der Kunstgeschichte, den Museums- und Politikwissenschaften sowie der Bildenden Kunst. Diese Diversität an Perspektiven ist eine große Chance für uns.  Sie ist die Grundlage für eine erfolgreiche Weiterentwicklung der Geisteswissenschaften in Deutschland.  

Sharon Macdonald:

Wissensaustausch und Künstlerische Forschung sind dabei wichtige Querschnittsthemen – jedes Jahr kommen drei bis sechs unserer Fellows aus der Praxis, sie arbeiten als Künstler*innen, Kurator*innen, Schriftsteller*innen oder in der Vermittlung. Wichtig ist uns, auf diese Weise neue Wege für Wissensproduktion zu erproben und Perspektiven außerhalb des akademischen Kontexts aktiv in unsere Forschung einzubinden.

Und welche Rolle spielen Veranstaltungen wie der hochkarätige Roundtable „Transforming Heritage: Research, Policy, and Practice in Dialoge“, den Sie am 24. März in Berlin und online veranstalten, dabei?

Sharon Macdonald:

Wir möchten als Forschende Wissen und Methoden beitragen, um den Umgang mit Kulturerbe positiv mitzugestalten. Dazu gehört es, mit Menschen in Praxis und Politik zusammenzuarbeiten und aktuelle Debatten öffentlich zugänglich zu machen.

Eva Ehninger:

Deswegen freuen wir uns besonders über das Panel am 24.03., mit dem wir sehr unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen können. Als Forscherin und UNESCO-Vertreterin hat Charlotte Joy sehr viel Erfahrung darin, wie Forschungsoutputs gestaltet werden können, um in politischen Kulturerbe-Entscheidungen konkret anwendbar zu sein. Wir freuen uns zudem auf Marlen Meißner und Ulrike Guérin, die für die UNESCO in Deutschland und Frankreich tätig sind, sowie auf Katharina Ribbe vom Auswärtigen Amt, mit der wir die Bedeutung von Kulturerbe in internationalen Beziehungen diskutieren werden.

Herzlichen Dank für Ihre Einblicke und viel Erfolg für Ihre Veranstaltung!

(Das Interview erfolgte schriftlich am 10.März 2026 im Vorfeld des inherit-Roundtables „Transforming Heritage: Research, Policy, and Practice in Dialoge“; Fragen Katrin Schlotter)

Hier geht’s zum inherit-Roundtable „Transforming Heritage: Research, Policy, and Practice in Dialoge“. Die Veranstaltung findet am 24.3.2026 von 18 bis 20 Uhr hybrid statt, online und an der Humboldt-Universität zu Berlin, Dorotheenstraße 26, 10117 Berlin, Hörsaal 207.

Für den Beitritt zum Online-Stream ist keine Registrierung erforderlich, hier wird zu gegebener Zeit ein Link zur Online-Teilnahme bereitgestellt. Sofern Sie vorort teilnehmen möchten, melden Sie sich bitte bis zum 20. März 2026 persönlich an unter info-inherit@hu-berlin.de

Käte Hamburger Kolleg „Heritage in Transformation“ (inherit)

Das BMFTR-geförderte Käte Hamburger Kolleg „Heritage in Transformation“ (inherit) entwickelt eine neue, transdisziplinäre und praxisorientierte Form der Heritage Studies, die geisteswissenschaftliche Perspektiven auf global-gesellschaftliche Umwälzungsprozesse in den Fokus stellt. Das Kolleg adressiert zentrale Fragen unserer Zeit – nach Identität und Differenz, Zugehörigkeit und Eigentum oder dem Verhältnis von Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Nicht zuletzt geht es um die Frage, welche Rolle kulturelles Erbe und Naturerbe sowie deren Wechselwirkungen für die zukünftige Gestaltung sozialer und transkultureller Beziehungen spielen können.

Direktorium: Prof. Dr. Eva Ehninger, Prof. Dr. Sharon Macdonald, Humboldt-Universität zu Berlin

Käte Hamburger Kollegs

Die BMFTR-geförderten Käte Hamburger Kollegs bieten Geistes- und Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern die Möglichkeit, frei von vielen Verpflichtungen des Wissenschaftsalltags zu selbst gewählten Themen gemeinsam mit herausragenden nationalen und internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu forschen. Dazu laden die Kollegs Forschende aus aller Welt, sogenannte Fellows, jeweils bis zu zwölf Monate nach Deutschland ein.

Käte Hamburger Kollegs auf dem GSW-Portal

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