Transfer hoch 3 in den Regionalstudien: WONAGO- Ausstellung und Konferenz jetzt in São Paulo
Sage und schreibe drei Ausstellungen realisiert die Universität Hamburg im Rahmen des BMFTR geförderten Projekts World Order Narratives of the Global South (WONAGO) in 2026: Nach der Ausstellung in Berlin ist die Plakatkunst der OSPAAAL nun in São Paulo zu sehen. Parallel dazu findet eine Fachtagung statt.
Eröffnung der OSPAAAL-Ausstellung im Museu de Arte Contemporânea da Universidade de São Paulo (MAC-USP) am 19. August 2026.
Vom 19. August bis 19. September 2026 läuft im Museu de Arte Contemporânea da Universidade de São Paulo eine Ausstellung von Postern der kubanischen Organización de Solidaridad de los Pueblos de África, Asia y América Latina (OSPAAAL). Die Ausstellung wird von Prof. Dr. Ulrich Mücke und Dr. Natália Schmiedecke (beide Universität Hamburg) zusammen mit Prof. Dr. Carolina Amaral de Aguiar (Universidade de São Paulo) kuratiert.
Teil der Ausstellung ist eine internationale Fachtagung zur Süd-Süd-Solidarität im Kalten Krieg, die ebenfalls am 19. August mit Vorträgen von Prof. Dr. Fernando Camacho (Madrid) und dem Grafiker und Grafikprofessor Pepe Menéndez (Havanna) eröffnet wird. Die Tagung, die zusammen mit dem Institut für Internationale Beziehungen der Universität von São Paulo organisiert wird, läuft über zwei Tage mit insgesamt 30 Vorträgen. Die Transferaktivitäten sind Teil des Projekts World Order Narratives of the Global South (WONAGO), das das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Bereich der Regionalstudien mit dem Ziel fördert, Wissen über Weltregionen in die Gesellschaft zu tragen.
Plakate für die Revolution
Eröffnung der Tagung und der Ausstellung im MAC USP. Von links nach rechts: Natália Ayo Schmiedecke (UHH), Felipe Loureiro (USP), Alexandre Morelli (USP), Carolina Amaral de Aguiar (USP), Ulrich Mücke (UHH).
Der Fokus der Ausstellung liegt auf der künstlerischen Entwicklung der Plakatkunst der OSPAAAL (Organisation für die Solidarität der Völker Afrikas, Asiens und Lateinamerikas) und lenkt den Blick auf interessante Forschungsfragen zu Weltordnungsnarrativen im Globalen Süden in der Zeit des Kalten Krieges. Die OSPAAAL wurde 1966 im Rahmen der Trikontinentalen Konferenz gegründet. Sie sollte den Kampf gegen Kolonialismus und Imperialismus im globalen Süden koordinieren und stärken. Entgegen der ursprünglichen Pläne blieb sie eine weitgehend kubanische Organisation, die hauptsächlich durch ihre weltweit verschickte Zeitschrift und den der Zeitschrift beigelegten Plakaten bekannt wurde. In der Zeitschrift und auf den Plakaten warb die OSPAAAL für den bewaffneten Kampf im sogenannten Trikont. In dem Bestreben, Botschaften in unterschiedlichen sprachlichen und kulturellen Kontexten zu vermitteln, entwickelten die für diese Publikationen verantwortlichen Künstler eine einzigartige Bildsprache: Sie kombinierte verschiedene Stile, mehrere Sprachen und gemeinsame Symbole der Unterdrückung und des Widerstands. Das Ziel: Geografisch weit entfernte Kämpfe der Vergangenheit und Gegenwart visuell miteinander zu verbinden, wobei die bewaffnete Revolution als Weg zur Befreiung der unterdrückten Völker propagiert wurde. So trug die Druckerei der OSPAAAL aktiv zur Konstruktion des Begriffs der „Dritten Welt“ bei und etablierte eine Ästhetik der Internationalisierung des Kampfes, die großen Einfluss gewinnen sollte.
Kunst für die Straße
Zu sehen sind der Direktor des MAC USP José Tavares Lira und die drei Kuratoren: Carolina Amaral de Aguir (USP), Natália Ayo Schmiedecke (UHH), Ulrich Mücke (UHH).
Die OSPAAAL-Plakate waren nicht für Kunstmuseen bestimmt, sondern für den öffentlichen und politischen Gebrauch. Sie sollten vor allem unter politischen Aktivistinnen und Aktivisten zirkulieren und an Orten sichtbar werden, an denen politische Debatten geführt wurden: an Straßenwänden, in Wohnheimen, bei Studierendenvertretungen und in politischen Organisationen. In diesem Sinne verlagert ihre spätere Verbreitung in Katalogen und Ausstellungen ihre ursprüngliche Bedeutung: Sie verwandelten sich von Instrumenten politischer Intervention zu Objekten ästhetischer Wertschätzung. Um an ihren ursprünglichen Zweck zu erinnern, zeigt die aktuelle Ausstellung 21 Plakate (von insgesamt etwa 380) mit Gebrauchsspuren.
In bester Gesellschaft
Dr. Natália Schmiedecke ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich Globalgeschichte der Universität Hamburg und hat zusammen mit Prof. Mücke die Ausstellung im Rahmen des BMFTR-Projekts WONAGO kuratiert. Eröffnung der OSPAAAL-Ausstellung im Museu de Arte Contemporânea da Universidade de São Paulo (MAC-USP) am 19. August 2026.
Die OSPAAAL-Ausstellung ist im Museu de Arte Contemporânea da Universidade de São Paulo (MAC-USP) zu sehen, eines der bedeutendsten Kunstmuseen für zeitgenössische Kunst. Revoltutionskunst ist also jetzt in bester Gesellschaft mit Werken führender brasilianischer Künstler und Pablo Picasso, Amedeo Modigliani, Joan Miró, Wassily Kandinsky, Henri Matisse und Joseph Beuys. Und nicht nur das: Die Ausstellung zeigt zum ersten Mal überhaupt eine größere Zahl von Plakaten der OSPAAAL außerhalb Europas und den USA. Alle Plakate stammen aus den Sammlungen der Universität Hamburg und des Hamburger Instituts für Sozialforschung. Die Ausstellung macht deutlich, wie kurz die avantgardistische Phase der OSPAAAL-Plakate eigentlich war: Schon ab 1972/1973, also nur sechs bis sieben Jahre nach Gründung der OSPAAAL, schwenkten deren Plakate auf eine eher gewöhnliche, meistens geradezu langweilige Grafik um.
Tagung zur (Vor-)Geschichte der Verschiebung der Weltordnung
Parallel zur Ausstellung im MAC USP greift die WONAGO-Tagung das Thema der OSPAAAL auf und fragt nach der internationalen Süd-Süd-Solidarität im Sinne der OSPAAAL während des Kalten Krieges. Wo gab es solche Solidarität? Wie unterschied sich diese Solidarität von den Konzepten der OSPAAAL? Was bleibt von dieser Solidarität? Die Tagung möchte damit einen Beitrag zu der (Vor-)Geschichte einer Verschiebung der Weltordnung weg vom industrialisierten Europa und Nordamerika hin zu den aufsteigenden Ländern Lateinamerikas, Afrikas und Asiens leisten. Sie möchte diskutieren, inwiefern Vorstellungen von einer solchen Verschiebung bzw. Hoffnungen auf eine solche Veränderung im Kalten Krieg existierten und handlungsleitend wurden.
Organisiert wird die Tagung zusammen mit dem Institut für Internationale Beziehungen der Universität São Paulo. Dieses erforscht interdisziplinär internationale Beziehungen, ist also nicht auf die Politikwissenschaft beschränkt, sondern integriert historische und soziologische Perspektiven. Die Tagung findet im Rahmen der Strategischen Partnerschaft zwischen der Universität São Paulo und der Universität Hamburg statt. Diese Partnerschaft wird mit Hilfe des Verbundvorhabens World Order Narratives of the Global South weiter vertieft. Eine Auswahl der Tagungsbeiträge soll 2027 in einem Sammelband veröffentlicht werden.
Drei WONAGO-Ausstellungen
Prof. Dr. Ulrich Mücke, Projektleiter des WONAGO-Projekts, ist seit 2007 Professor für Geschichte Lateinamerikas und der Iberischen Halbinsel am Historischen Seminar der Universität Hamburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte des 19. Jahrhunderts, Atlantische Geschichte, Lateinamerikanische Geschichte, die Geschichte der Selbstzeugnisse in Lateinamerika, Migrationsgeschichte und die Geschichte des internationalen Handels.
Die Ausstellung ist Teil eines Zyklus von drei Ausstellungen, die die Universität Hamburg im Rahmen des BMFTR-geförderten Verbundvorhabens World Order Narratives of the Global South im Jahr 2026 realisiert. Im Frühjahr fand eine Ausstellung im Ibero-Amerikanischen Institut, Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin statt (siehe GSW-Beitrag). Diese Ausstellung bestand aus zwei Teilen. Im ersten Teil wurde die Geschichte der OSPAAAL erzählt. In einem kleineren Teil wurden einige wenige Plakate der OSPAAAL aus den Sammlungen der Universität Hamburg und des Ibero-Amerikanischen Instituts gezeigt. Die ursprünglich für einen Monat geplante Ausstellung wurde aufgrund des großen Interesses um 4 Wochen verlängert.
Nächster und vorerst letzter Stop: Hamburg
Die Ausstellung in der Hamburger Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky wird vom 3. November bis Anfang Februar 2027 zu sehen sein. Sie wird von Prof. Dr. Ulrich Mücke und Dr. Natália Schmiedecke kuratiert und zusammen mit einer Gruppe von 14 Studierenden der Geschichte der Universität Hamburg vorbereitet. Hier liegt der Fokus auf dem Thema Plakate als historische Gegenstände. Sie fragt danach, warum Plakate so wichtig für die OSPAAAL wurden, wie die Plakate die Botschaft der OSPAAAL transportierten, wie die Plakate produziert wurden und inwiefern die Plakate Ideen verbreiteten, die heute eher als rückständig oder konservativ betrachtet werden. Die gezeigten Plakate stammen aus den Sammlungen der Universität Hamburg und des Zentrums zum Studium der Kubanischen Plakatkunst in Italien.
Das Verbundprojekt „World Order Narratives of the Global South” (WONAGO)
Das BMFTR-geförderte Verbundprojekt „World Order Narratives of the Global South” untersucht Weltordnungsnarrative in Lateinamerika und Afrika, dem Nahen Osten und Asien, indem es die Rolle von historischen Vorstellungen für die heutigen Weltordnungsnarrative und die Entwicklung alternativer Narrative analysiert. Das Projekt unter der Leitung von Prof. Dr. Ulrich Mückeund und Prof. Dr. Eckart Woertz ist am Arbeitsbereich Globalgeschichte des Fachbereichs Geschichte der Universität Hamburg angesiedelt und wird in Kooperation mit dem German Institute for Global and Area Studies (GIGA) durchgeführt, gefördert vom BMFTR im Bereich „Regionalstudien“. Laufzeit: 2021-2027.
Die BMFTR-Förderung der Regionalstudien
Mit der Förderrichtlinie für Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der Regionalstudien (area studies) von 2019 unterstützt das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) die theoretische, methodische und empirische Weiterentwicklung der area studies.
Durch die Förderung will das BMFTR die Forschung zu verschiedenen Weltregionen strukturell stärken und zur Internationalisierung der Geistes- und Sozialwissenschaften beitragen. Ein weiteres Ziel der Förderung liegt darin, den Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen zu transnationalen Forschungsfragen in die Gesellschaft voranzubringen. Die geförderten Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen organisieren dazu unterschiedliche Transferformate – wie zum Beispiel Ausstellungen.
Die Regionalstudien sind auch in weiteren BMFTR-Fördermaßnahmen vertreten, v.a. in den Käte Hamburger Kollegs und den Merian Centres sowie in den Kleinen Fächern.
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