Ausstellung im TA T, Berlin: inherit-Fellow Bhasha Chakrabarti präsentiert „Archive of Divine Possessions“
Im Rahmen ihres Fellowships am Käte Hamburger Kolleg inherit. heritage in transformation präsentiert die Künstlerin Bhasha Chakrabarti ihr neues Werk Archive of Divine Possessions – eine Installation zwischen Kunst, Erinnerung und materieller Spurensuche. Die Ausstellung im TA T, Berlin, läuft noch bis zum 11. Juli 2026.
Ausstellung Archive of Divine Possessions
inherit
Das Käte Hamburger Kolleg inherit, gegründet 2024 an der Humboldt-Universität zu Berlin, wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert. Als internationales Centre for Advanced Study untersucht inherit historische, gegenwärtige und zukünftige Transformationen von kulturellem Erbe. Im Zentrum stehen Fragen nach Identität, Zugehörigkeit, Erinnerung und gesellschaftlichem Wandel. Das Kolleg lädt internationale Fellows, Künstlerinnen und Künstler sowie Kuratorinnen und Kuratoren dazu ein, gemeinsam neue Perspektiven auf „Heritage“ zu entwickeln.
Von der Forschung zur Ausstellung
Bhasha Chakrabarti
Michelle Mantel
Die Ausstellung Archive of Divine Possessions ist Teil der fortlaufenden Zusammenarbeit zwischeninherit und dem TA T. Im Rahmen einer Studio-Residency erhalten Fellows des Kollegs die Möglichkeit, ihre Forschung künstlerisch weiterzuentwickeln und den Entstehungsprozess öffentlich sichtbar zu machen. Das TA T – das historische Tieranatomische Theater in Berlin – versteht sich dabei als Ort für experimentelle Ausstellungen und interdisziplinäre Begegnungen zwischen Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft.
Ausgangspunkt von Bhasha Chakrabartis künstlerischer Arbeit ist ein persönliches Erbe: Nach dem Tod ihrer Großmutter erhielt die Künstlerin eine Truhe voller Kleidungsstücke, Schmuck und Accessoires, die einst einer kleinen Baal-Gopal-Statue gehörten. Viele der Objekte wurden von Frauen der Familie gefertigt und in religiösen Ritualen verwendet. Was früher Teil gelebter Spiritualität war, verlor mit dem Tod der Großmutter plötzlich seine Funktion – und wurde zugleich zum Ausgangspunkt einer künstlerischen Auseinandersetzung mit Erinnerung, Herkunft und kultureller Weitergabe.
„Plötzlich wurden all diese Gegenstände, die einst voller Bedeutung und Zweck waren, nutzlos“, schreibt Chakrabarti über den Moment, in dem die Objekte ihren ursprünglichen Kontext verloren. An anderer Stelle beschreibt sie ihr Projekt als Versuch, „die Nuancen dieses belasteten Erbes aufzuarbeiten“ (mehr dazu im Beitrag von Bhasha Chakrabarti).
Zwischen Archiv und Identität
Ausstellung Archive of Divine Possessions
inherit
Bhasha Chakrabarti arbeitet an der Schnittstelle von Installation, Film, Textilkunst und Archivpraxis. In ihren Projekten setzt sie sich mit Erinnerungskultur, Diaspora, Materialität und den politischen Dimensionen persönlicher Geschichten auseinander. Häufig verbindet sie autobiografische Fragmente mit Fragen nach kultureller Identität, Weitergabe und Ausschluss.
Für Archive of Divine Possessions verwandelt sie das TA T, genauer gesagt, die Rotunde und die angrenzenden Galerieräume im Erdgeschoss, in einen atmosphärisch dichten Erfahrungsraum. Textilien, Malerei, Collagen, Video und Klang greifen ineinander und entfalten ein Geflecht aus Bildern, Materialien und Erinnerungen. Die Installation bewegt sich zwischen intimem Familienporträt, anthropologischem Archiv und kritischer Reflexion über Tradition, Diaspora und Identität.
Dabei stellt die Künstlerin auch Fragen nach Ausschluss und Zugehörigkeit: „Was bedeutet es, diese religiösen Utensilien zu bewahren?“, fragt sie mit Blick auf Objekte, die zugleich familiäre Mythologien und gesellschaftliche Spannungen in sich tragen. Die Arbeit untersuche, so Bhasha Chakrabarti, „die Reise scheinbar alltäglicher Gegenstände“, die erst zu göttlichen Besitztümern und später zu Forschungsobjekten und historischen Zeugnissen wurden.
Eine feste Deutung bietetArchive of Divine Possessions bewusst nicht. Vielmehr versteht Bhasha Chakrabarti das Archiv als lebendigen Ort des Wandels – als Raum, in dem Erinnerung, Abwesenheit und materielles Wissen in Bewegung bleiben. Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, diesen Spuren zwischen Klang, Textil und bewegtem Bild selbst zu folgen.
Käte Hamburger Kolleg „inherit. heritage in transformation“
Das BMFTR-geförderte Käte Hamburger Kolleg „inherit. heritage in transformation“ entwickelt eine neue, transdisziplinäre und praxisorientierte Form der Heritage Studies, die geisteswissenschaftliche Perspektiven auf global-gesellschaftliche Umwälzungsprozesse in den Fokus stellt. Das Kolleg adressiert zentrale Fragen unserer Zeit – nach Identität und Differenz, Zugehörigkeit und Eigentum oder dem Verhältnis von Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Nicht zuletzt geht es um die Frage, welche Rolle kulturelles Erbe und Naturerbe sowie deren Wechselwirkungen für die zukünftige Gestaltung sozialer und transkultureller Beziehungen spielen können.
Direktorium: Prof. Dr. Eva Ehninger, Prof. Dr. Sharon Macdonald, Humboldt-Universität zu Berlin
Käte Hamburger Kollegs
Die BMFTR-geförderten Käte Hamburger Kollegs bieten Geistes- und Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern die Möglichkeit, frei von vielen Verpflichtungen des Wissenschaftsalltags zu selbst gewählten Themen gemeinsam mit herausragenden nationalen und internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu forschen. Dazu laden die Kollegs Forschende aus aller Welt, sogenannte Fellows, jeweils bis zu zwölf Monate nach Deutschland ein.
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