Der Internationale Kongress junger Forscher, der von CALAS in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Historischen Institut (UC Berkeley) organisiert wird, konzentriert sich auf eine transdisziplinäre Untersuchung der Beziehungen zwischen den USA und Lateinamerika von der Vergangenheit bis zur Gegenwart. Perspektiven aus Kultur-, Geschichts-, Politikwissenschaft treten in Dialog. Im aktuellen Kontext sind die Verflechtungen zwischen den Vereinigten Staaten und Lateinamerika nach wie vor offensichtlich, da die derzeitige US-Regierung eine Politik der Massenabschiebung lateinamerikanischer Einwanderer verfolgt und eine interamerikanische Agenda vorantreibt, die eine Rückkehr zur Ära des unverhohlenen Imperialismus signalisiert, während sie gleichzeitig Allianzen mit autoritären rechten Führern in der gesamten Region schmiedet, um einen Feldzug gegen die „Woke-Ideologie“ zu führen. Zwar nehmen die Reaktionen sozialer und kultureller Bewegungen auf diesen hemisphärischen rechten „Rückschlag“ gerade erst Gestalt an, doch könnten ihre Bemühungen, die Errungenschaften der letzten Jahrzehnte zu verteidigen, sehr wohl über die Zukunft der Demokratie in Amerika entscheiden. Im Jahr 2026, dem Jahr des 250. Jahrestags der Unabhängigkeitserklärung, blicken wir auf zweieinhalb Jahrhunderte zurück, in denen die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Lateinamerika tiefgreifende Veränderungen erfahren haben. Die Beziehungen, die ursprünglich auf gegenseitiger Bewunderung und Solidarität beruhten, waren geprägt von Machtungleichgewichten, wirtschaftlicher Ausbeutung und militärischen Interventionen sowie vom Aufkommen eines (anti-amerikanischen) Antiimperialismus als gemeinsamer Faden der Volksbewegungen in ganz Lateinamerika, während sich die Vereinigten Staaten im 20. Jahrhundert von einer jungen Republik zu einem globalen Imperium entwickelten. Im gleichen Zeitraum veränderte die Migration von Süd nach Nord die Bevölkerungsstruktur der Vereinigten Staaten unwiderruflich, sodass Latinos heute die größte Minderheitengruppe des Landes bilden. Um das Bild der vielschichtigen Wechselbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Lateinamerika abzurunden, haben grenzüberschreitende Dialoge zwischen gegenhegemonialen Bewegungen und Volkskulturen in den Vereinigten Staaten und Lateinamerika gezeigt, dass die Beziehungen zwischen den beiden Regionen komplexer sind, als es eindimensionale Narrative der Herrschaft vermuten lassen.