Kulturerbe in Bildern: Einblicke in universitäre Sammlungen

Universitäre Sammlungen sind mehr als Archive vergangener Zeiten – sie zeigen, wie Forschung sichtbar wird. Die folgende Bilderstrecke versammelt Objekte, die in Lehre und Wissenschaft eine Rolle spielen und zugleich erzählen, wie vielfältig kulturelles und gesellschaftliches Wissen an Hochschulen bewahrt, genutzt und weiterentwickelt wird.

Projekt: „Naturforschung und protestantische Mission – Die Pflanzensammlungen der Herrnhuter Brüdergemeine im Herbarium der TU Dresden: Identifizierung und Kontextualisierung mit Methoden der Digital Humanities“

Das BMFTR-geförderte Projekt „Naturforschung und protestantische Mission – Die Pflanzensammlungen der Herrnhuter Brüdergemeine im Herbarium der TU Dresden: Identifizierung und Kontextualisierung mit Methoden der Digital Humanities“ veranschaulicht, wie Hochschulsammlungen Wissenschaft erfahrbar machen können.

Die Abbildung 1 zeigt sechs der insgesamt 710 Herbarbelege im Originalzustand aus der Pflanzensammlung des Herrnhuter Kunst- und Handelsgärtners Ernst Wilhelm Hans (1840-1896), die im Herbarium Dresdense der Technischen Universität Dresden aufbewahrt wird.

Erstmalig werden bei der Erforschung der Pflanzensammlungen der Herrnhuter Brüdergemeine jene Belege digitalisiert und wissenschaftlich bearbeitet, die Mitglieder der Gemeine im 18. und 19. Jahrhundert zusammengetragen haben. Das Sammlungsregal im Herbarium Dresdense der Technischen Universität Dresden beherbergt Faszikeln historischer Herbarbelege (Abbildung 2). 

Herbarbeleg aus der Pflanzensammlung des Herrnhuter Kunst- und Handelsgärtners Ernst Wilhelm Hans (1840-1896)

Abbildung 1: Herbarbeleg aus der Pflanzensammlung des Herrnhuter Kunst- und Handelsgärtners Ernst Wilhelm Hans (1840-1896)

Sarah Elena Link, KUS, HU Berlin

Abbildung 2: Sammlungsregal im Herbarium Dresdense der Technischen Universität Dresden

Sarah Elena Link, KUS, HU Berlin


Projekt „3ioS. Schlaf – Schmerz – Stress – Kulturen und Techniken von Biofeedback-Systemen 1960–1990"

Objekte in der Historischen Medizintechnischen Sammlung der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Abbildung 3: Sammlungsgeräte aus DDR-Produktion

Sarah Elena Link, KUS, HU Berlin

Objekte in der Historischen Medizintechnischen Sammlung der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Abbildung 4: Für die Forschung restaurierte historische Medizintechnik

Sarah Elena Link, KUS, HU Berlin

Das an der Magdeburger Kustodie angesiedelte BMFTR-geförderte Forschungsprojekt „3ioS. Schlaf – Schmerz – Stress – Kulturen und Techniken von Biofeedback-Systemen 1960–1990 " erforscht anhand einzelner Geräte der Sammlung die Geschichte der Medizintechnik in der DDR. Viele der Sammlungsgeräte wurden vom VEB Messgerätewerk Zwönitz (MWZ), vom Transformatoren- und Röntgenwerk (TuR) und vom VEB Kombinat Medizin- und Labortechnik Leipzig (MLW) hergestellt. Im abgebildeten Regal (Abbildung 3) ist ein Teil davon zu sehen. 

Die Abbildung 5 gibt einen Ausschnitt der Historischen Medizintechnischen Sammlung der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg: Die circa 300 Objekte der Sammlung dokumentieren beispielhaft die Entwicklung moderner Medizintechnik und geben Aufschluss über vergangene medizinische Technologien. Die ältesten Sammlungsobjekte können ins 19. Jahrhundert datiert werden; der Schwerpunkt der Sammlung liegt jedoch auf den 1970er und 1980er Jahren.

Ein weiterer Schwerpunkt im „3ioS“-Projekt ist die Geschichte der Mensch-Maschine-Interaktionen sowie deren Verbindung zu Praktiken des Biofeedback, zu Hypnose und Schlaf. Für die Forschung werden einige der Sammlungsobjekte zunächst wieder funktionstüchtig gemacht. Dazu gehören einige der abgebildeten Geräte (Abbildung 4).

Objekte in der Historischen Medizintechnischen Sammlung der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Abbildung 5: Historische Medizintechnische Sammlung

Sarah Elena Link, KUS, HU Berlin


Projekt „Dramaturgien eines Archivs“ (DramA)

Inszenierungsarchiv der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch

Abbildung 6: Hängeregisterschrank im Inszenierungsarchiv der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch

Sarah Elena Link, KUS, HU Berlin

Digitalisierungsstation in der Bibliothek der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch

Abbildung 7: Digitalisierungsstation im Inszenierungsarchiv der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch

Sarah Elena Link, KUS, HU Berlin

Das Inszenierungsarchiv der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch dokumentiert die Geschichte einer künstlerischen Hochschule in ihren unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Kontexten und die des Berliner Arbeiter- und Studententheaters (bat). Gemeinsam mit der Humboldt-Universität zu Berlin werden im Rahmen BMFTR-Projektes „Dramaturgien eines Archivs“ (DramA) Teile des Archivs erschlossen, beforscht und für (künstlerische) Forschung, Lehre, Praxis sowie die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Das Projekt greift erstmals auf bisher unbekannte fotografische, diaristische und publizistische Dokumente aus dem Inszenierungsarchiv zurück.

Um das bislang nicht für die Nutzung vorgesehene Inszenierungsarchiv der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch zugänglich zu machen, wurden Teile der Sammlung zunächst gereinigt, erschlossen, umgelagert und digitalisiert und spezifisch auf das Material und die Strukturen vor Ort zugeschnittene Digitalisierungsprozesse geschaffen. Diese finden an der Digitalisierungsstation in der Bibliothek der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch statt (Abbildung 7). 


Projekt „Kontrahegemoniale Stimmen in Musikarchiven (KOSTIMA)“ 

Archiv für die Musik Afrikas (AMA) an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Abbildung 8: Archiv für die Musik Afrikas (AMA) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Sarah Elena Link, KUS, HU Berlin

Das Archiv für die Musik Afrikas (AMA) (Abbildung 8) an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz beinhaltet eine in Deutschland einzigartige Sammlung moderner afrikanischer Musik auf Tonträgern unterschiedlicher Formate – Schellack- und Vinylschallplatten, Audio- und Videokassetten, CDs und DVDs. Der derzeitige Bestand umfasst ca. 15.000 Tonträger, die teils bis in die 1940er Jahre zurückreichen. Im Fokus des BMFTR-geförderten Forschungsprojekt „Kontrahegemoniale Stimmen in Musikarchiven (KOSTIMA)“ werden u.a. Songtexte kongolesischer Musik, die im AMA aufbewahrt wird, untersucht und die sprachlichen Strategien in lingalasprachigen Liedern erforscht.

In dem in Abbildung 9 gezeigten Regal befinden sich Teile der Musikinstrumentensammlung des Center for World Music der Universität Hildesheim - ein musikethnologisches Forschungszentrum mit internationaler Ausrichtung, regionalem Engagement und lokaler Verortung.

Zu den Hildesheimer Beständen zählen unter anderem das „Music of Man Archive“ mit 45.000 Tonträgern, eine 4.500 Objekte umfassende Musikinstrumentensammlung sowie der Vorlass des Musikethnologen Raimund Vogels, der in den 1980er und 1990er Jahren vielfältiges Material zu Machtverhältnissen zwischen Christen und Muslimen in Borno State sowie allgemein zu innernigerianischen Machtgefällen zusammentrug. Das KOSTIMA-Projekt widmet sich derzeit der Erforschung und Erschließung dieser Sammlung.

Sammlungen des Center for World Music an der Universität Hildesheim

Abbildung 9: Musikinstrumentensammlung des Center for World Music der Universität Hildesheim

Sarah Elena Link, KUS, HU Berlin


Projekt „Die Lehrmittelsammlung der Kunstgewerbeschule Pforzheim zwischen Medienarchäologie und Innovationstransfer"

Lehrmittelsammlung an der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim

Abbildung 10: Arbeitsraum des BMFTR-Projekts an der Hochschule Pforzheim

Sarah Elena Link, KUS, HU Berlin

In Abbildung 10 wird ein Einblick in den Arbeitsraum des BMFTR-Projekts „Die Lehrmittelsammlung der Kunstgewerbeschule Pforzheim zwischen Medienarchäologie und Innovationstransfer" gegeben. Das Projekt beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung und Erforschung der Lehrmittelsammlung an der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim. Die Sammlung verbindet Aspekte der weltweit ausstrahlenden Designausbildung mit internationaler Wirtschafts- und Gesellschaftsgeschichte. Sie ist einzigartig hinsichtlich der Vielfalt ihrer Lehrmedien, des Innovationsgrades ihrer medialen Didaktik und der Fokussierung auf die Edelmetallindustrie.