Auftaktkonferenz: Neues Programm für die Geistes- und Sozialwissenschaften

„Orientierung für eine Welt im Wandel – Neues Programm. Neue Impulse. Neue Perspektiven.“ Unter diesem Leitmotiv fand am 18. und 19. Mai 2026 die Auftaktkonferenz des neuen BMFTR-Rahmenprogramms für die Geistes- und Sozialwissenschaften in Berlin statt. Eröffnet wurde sie von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär.

Auftaktkonferenz des neuen BMFTR-Rahmenprogramms

BMFTR

„In unserer komplexen Welt mit ihren vielfältigen Herausforderungen brauchen wir als Gesellschaft Orientierung für die Zukunft. Dazu tragen die Geistes- und Sozialwissenschaften ganz wesentlich bei. Mit dem neuen Rahmenprogramm tragen wir der herausragenden Bedeutung Rechnung, die den Geistes- und Sozialwissenschaften in unserem Wissenschaftssystem zukommt. Die Förderung der Geistes- und Sozialwissenschaften ist daher ein Kernanliegen.“

Dies erklärte Bundesforschungsministerin Dorothee Bär in einer Pressemitteilung anlässlich der Veröffentlichung des BMFTR-Rahmenprogramms für die Geistes- und Sozialwissenschaften „Orientierung für eine Welt im Wandel“.

Den Start des Rahmenprogramms markierte eine große Auftaktveranstaltung im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt in Berlin am 18.-19. Mai 2026.

Die zweitägige Veranstaltung führte rund 230 Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Politik, Forschungsförderung und gesellschaftlicher Praxis zusammen – mit dem Ziel, die zukünftige Rolle der Geistes- und Sozialwissenschaften in Zeiten tiefgreifender gesellschaftlicher, technologischer und geopolitischer Veränderungen zu diskutieren und weiterzudenken. Die Hauptveranstaltung am 19. Mai wurde auch online via Livestream übertragen.

Forschung am Puls der Zeit

Im Fokus der Auftaktveranstaltung stand die Vorstellung des neuen Rahmenprogramms „Orientierung für eine Welt im Wandel“, das die strategischen Leitlinien der Förderung der Geistes- und Sozialwissenschaften für die Jahre 2026 bis 2032 festlegt. Es setzt auf verschiedenartige Förderinstrumente, interdisziplinäre Zusammenarbeit und eine konsequente Stärkung von Transfer und gesellschaftlicher Wirkung.
Die Geistes- und Sozialwissenschaften bilden zugleich eines der strategischen Forschungsfelder der Hightech Agenda Deutschland (HTAD): „Das Wissen der Geistes- und Sozialwissenschaften ist die Basis, um die Grundwerte unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft in Zeiten multipler Herausforderungen schützen zu können, die Gesellschaft veränderungsfähig zu halten und die technischen Innovationen (insbesondere Künstliche Intelligenz) zu begleiten und mitgestalten zu können,“ heißt es dort unter anderem.

Upgrade für die GWS

Der Titel des neuen Rahmenprogramms „Orientierung für eine Welt im Wandel“ ist Anspruch zugleich. In einer Zeit globaler Krisen, technologischer Transformationen und wachsender demokratischer Herausforderungen kommt den Geistes- und Sozialwissenschaften eine besondere Rolle zu: Sie tragen in interdisziplinärer Zusammenarbeit, etwa mit den Technik- und Naturwissenschaften, zur Erarbeitung von Lösungsansätzen zu den großen Fragen der Gegenwart und Zukunft bei. Und nicht nur das: Sie können Transformationen wissenschaftlich einordnen und Orientierung geben.

Das neue Rahmenprogramm knüpft dabei an das vorherige Programm „Gesellschaft verstehen – Zukunft gestalten (2019 bis 2026)“ an und entwickelt es weiter: Bewährte Förderstrukturen und  -bereiche  werden fortgeführt, werden jedoch durch neue Schwerpunkte wie Künstlicher Intelligenz, geopolitische Krisen, gesellschaftliche Resilienz und  Transfer ergänzt und profiliert.

Im neuen Rahmenprogramm wird geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung in  vier Themenfeldern gefördert: Zukunftsfähige Demokratien, Kultur und Gesellschaft, Entwicklungsräume für die GSW und Technologischen Wandel gestalten. Schwerpunkte sind u.a. Demokratieforschung, Extremismus- und Radikalisierungsprävention, Forschung zu kulturellem Erbe sowie gesellschaftliche Auswirkungen neuer Technologien wie Künstlicher Intelligenz. Damit greift das BMFTR aktuelle Veränderungen auf – und richtet die Forschung gezielt darauf aus: Die Geistes- und Sozialwissenschaften sollen bestmöglich zur gesellschaftlichen Einordnung komplexer Entwicklungen beitragen. Gleichzeitig sollen durch Förderformate, die Freiräume für die Bearbeitung von selbstgewählten Forschungsthemen bieten, geistes- und sozialwissenschaftliche Forschungsfelder strukturell gestärkt werden.

Auftakt, Austausch und Vernetzung

Die Auftaktveranstaltung ging weit über die klassische Präsentation eines Rahmenprogramms hinaus. Sie setzte neben Information auf Dialog und Beteiligung. Am ersten Veranstaltungstag (siehe Programm) diskutierten Expertinnen und Experten in fünf Workshops über zentrale Fragen in den Geistes- und Sozialwissenschaften – angefangen von der eigenen Rolle und Bedeutung über Wissenschaftsfreiheit sowie über internationale, interdisziplinäre Zusammenarbeit und Transfer bis hin zu digitalen Forschungsinfrastrukturen und -methoden (siehe Workshop-Abstracts).Die Beiträge der Teilnehmenden waren vielfältig: Wünschenswert seien flexiblere Förderstrukturen, nachhaltigere Netzwerke und eine stärkere institutionelle Absicherung. Auch Transfer, Interdisziplinarität und internationale Kooperation benötigten strukturelle und langfristige Förderung. Die Ergebnisse der Workshops flossen in das Programm des folgenden Tages ein, der sich via Livestream an die Öffentlichkeit richtete.

Marktplatz der Ideen

Spannende Einblicke in die Forschung gab der „Marktplatz der Ideen“ im Foyer des Ministeriums: Dort präsentierten BMFTR-geförderte Projekte und Einrichtungen  ihre Forschung. Zugleich bot sich Gelegenheit zum Austausch über europäische Förder- und Forschungsprogramme sowie über internationale Kooperationen. Die Atmosphäre war geprägt von intensiven Gesprächen und dem gemeinsamen Willen, die Zukunft der Geistes- und Sozialwissenschaften mitzugestalten. Davon konnte sich auch Bundesforschungsministerin Bär bei ihrem Rundgang auf dem „Marktplatz der Ideen“ überzeugen.

Spannende Diskussionen

Auftaktkonferenz des neuen BMFTR-Rahmenprogramms

BMFTR

Nach der Eröffnungsrede von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär zur Bedeutung und Ausrichtung des neuen Rahmenprogramms ging es mit zwei hochrangig besetzten Podiumsdiskussionen weiter, zu den Themen „Orientierung für eine Welt im Wandel: Wo verorten sich heute die Geistes- und Sozialwissenschaften?“ und „Geistes- und Sozialwissenschaften in der aktuellen Weltlage: Bedrohung und Potenziale freier Forschung“. Diskutiert wurden unter anderem die gesellschaftliche Relevanz der Geistes- und Sozialwissenschaften, ihre Stellung im Wissenschaftssystem und die Bedingungen freier Forschung in einer zunehmend angespannten weltpolitischen Lage. Ein Fazit: Die Geistes- und Sozialwissenschaften sind zentrale Akteure bei der Bewältigung gesellschaftlicher Krisen. Aber: Sie stehen unter Druck. Politische Polarisierung, Rechtspopulismus, Delegitimierung wissenschaftlicher Expertise sowie Unsicherheiten in internationalen Kooperationen verändern die Rahmenbedingungen wissenschaftlicher Arbeit zunehmend. Betont wurde auch hier die enge Verbindung zwischen Demokratie, Wissenschaftsfreiheit und gesellschaftlichem Zusammenhalt.

Begleiten und mitgestalten

Wie viel die Geistes- und Sozialwissenschaften heute und in Zukunft leisten können, zeigte sich in allen Diskussionen der Auftaktveranstaltung: Sie analysieren gesellschaftliche Entwicklungen. Sie liefern Grundlagenwissen für politische Entscheidungen. Sie helfen bei der Einordnung technologischer Innovationen – und tragen dazu bei, demokratische Gesellschaften widerstandsfähig zu machen. Gerade in Zeiten des Umbruchs können sie eine zentrale Rolle für demokratische Orientierung, gesellschaftliche Transformation und den verantwortungsvollen Umgang mit technologischen Entwicklungen übernehmen. Das neue BMFTR-Rahmenprogramm schafft dafür den politischen und finanziellen Rahmen.

Ein erstes Beispiel dafür ist die Rahmenbekanntmachung  „Aktuelle und künftige Herausforderungen demokratischer Gesellschaften“. Mit dem ersten Förderaufruf zum Thema „Transformationen in der Demokratie“, die zeitnah zur Auftaktveranstaltung veröffentlicht wurde, fördert das BMFTR sozial- und geisteswissenschaftliche Projekte, die neue Erkenntnisse über die komplexen Wechselverhältnisse zwischen gesellschaftlichen Dynamiken und staatlichem Handeln in Transformationsprozessen gewinnen. Projektskizzen können bis zum 31. August 2026 eingereicht werden.

Im Laufe der nächsten Jahre wird das BMFTR nacheinander neue Förderrichtlinien zu den vier Themenschwerpunkten des GSW-Rahmenprogramms veröffentlichen. Informieren Sie sich dazu regelmäßig auf dem GSW-Portal unter Förderung.