Geisteswissenschaftliche Forschungsdateninfrastrukturen
Forschungsdaten für die Geisteswissenschaften nutzbar machen, Forschungsdateninfrastrukturen weiterentwickeln
Forschungsdaten für die Geisteswissenschaften nutzbar machen, Forschungsdateninfrastrukturen weiterentwickeln
Forschungsdaten sind die Rohstoffe der Wissenschaft. Für die Generierung, Erschließung, Aufbereitung und Nutzbarmachung von Forschungsdaten im Bereich der Geisteswissenschaften sind entsprechende Infrastrukturen erforderlich. Deren Aufbau und Weiterentwicklung wird seit vielen Jahren durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) unterstützt.

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Je nach Art der bereitgestellten Daten oder der Disziplin gibt es auf dem Feld der Geisteswissenschaften unterschiedliche Typen von Forschungsdateninfrastrukturen. Das Spektrum reicht von digitalen Angeboten geisteswissenschaftlicher Quellen über Software zu deren Bearbeitung und Auswertung bis hin zu Portalen, die wissenschaftliches Publizieren oder themenspezifische Zugänge anbieten. Ergänzt werden diese Angebote teilweise durch analoge Schulungsformate.
Um einen Prozess für professionelles Datenmanagement und die Harmonisierung von Forschungsdaten in Deutschland voranzutreiben, empfahl der vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) eingesetzte Rat für Informationsinfrastrukturen (RfII) im Jahr 2016 den Aufbau der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI). Dieser Prozess wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) umgesetzt. Ziel ist die Bereitstellung, Vernetzung und langfristige Nutzbarmachung von Forschungsdaten aus Wissenschaft und Forschung. Hierfür werden Standards, Dienste und Trainingsangebote entwickelt, die in 26 fachlich oder methodisch organisierten Konsortien unter einem Dach zusammengeführt werden.
Seit den 2000-er Jahren fördert das BMFTR als Forschungsinfrastrukturen für die Geisteswissenschaften die „Common Language Resources and Technology Infrastructure (CLARIN-D)“ und die „Digital Research Infrastructure for the Arts and Humanities (DARIAH-DE)“. CLARIN-D und DARIAH-DE sind Teil des geisteswissenschaftlichen NFDI-Konsortiums Text+. Sie werden gemeinsam mit weiteren Akteuren wie NFDI4Culture, NFDI4Memory und NFDI4Objects über die geisteswissenschaftlichen NFDI-Konsortien gefördert.
Seit 2026 wird außerdem die European Holocaust Research Infrastructure (EHRI-DE) gefördert .
Im Jahr 2002 wurde durch den EU Council der Forschungsminister das multidisziplinäre Europäische Strategieforum für Forschungsinfrastrukturen „European Strategy Forum on Research Infrastructures“ (ESFRI) ins Leben gerufen. Dies sieht eine Etablierung von exzellenten thematischen und themenübergreifenden Forschungsinfrastrukturen als Verbünde europäischer Partner vor, indem diese in einem Roadmap-Prozess begleitet werden. ESFRI veröffentlich hierfür in regelmäßigen Abständen einen Strategie-Report, die sogenannte „ESFRI-Roadmap“.
Die Bundesrepublik Deutschland ist Mitglied in den meisten europäischen Forschungsdateninfrastrukturen. An diesen Forschungsdateninfrastrukturen sind jeweils mindestens drei Mitgliedsstaaten beteiligt, von denen einer die Koordination übernimmt. Sie können die Rechtsform eines Europäischen Forschungsinfrastrukturkonsortiums (European Research Infrastructure, ERIC) annehmen. Auf dem Feld der Geisteswissenschaften ist Deutschland Mitglied in CLARIN-EU, DARIAH-EU und EHRI-EU. In der recht neuen Infrastruktur „Open Scholarly Communication in the European Research Area for Social Sciences and Humanities“ (OPERAS) wurde bisher kein ERIC gegründet. Hier ist Deutschland in den Vorläufergremien vertreten.