Generative Künstliche Intelligenz und ihre Betrachtung von Seiten der Geistes- und Sozialwissenschaften
Mit der geplanten Förderrichtlinie „Generative Künstliche Intelligenz (genKI) als Untersuchungsgegenstand der Geistes- und Sozialwissenschaften“ fördert das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) die geisteswissenschaftlich fokussierte Forschung über generative Künstliche Intelligenz.
KI-generiert
Die Wurzeln der Künstlichen Intelligenz (KI) reichen zurück in die 1930er Jahre, in denen der britische Mathematiker Alan Mathison Turing zeigte, dass Maschinen komplexe Denkprozesse durch klare, schrittweise Anweisungen – sogenannte Algorithmen – nachbilden können. Der Begriff Künstliche Intelligenz selbst wurde erstmals 1956 auf der Dartmouth-Konferenz geprägt. ELIZA war der erste Chatbot (1966), weit vor den mittlerweile in zahlreiche Webseiten, Apps oder Messenger-Plattformen integrierten Programmen, die heute Anfragen von Nutzenden in Echtzeit beantworten. Die damaligen technischen Möglichkeiten setzten dabei im Unterschied zu heute auf ein simples, regelbasiertes Programm, welches den Interaktionsrahmen sehr beschränkte. Trotz fehlenden echten Sprachverständnis wirkte ELIZAs Gesprächsnachahmung so überzeugend, dass viele Nutzende glaubten, mit einem Menschen zu sprechen – eine Wirkung, die ELIZA mit heutigen KI-basierten Chatbots gemeinsam hat.
Ab den 2010er Jahren wurden die für die hohen Leistungsanforderungen notwendigen Rechenleistungen langsam verfügbar, die die heute von nahezu aller Welt eingesetzten KI-Anwendungen ermöglichen. Dazu gehören Chatbots auf Basis von Large-Language-Modellen ebenso wie teils versteckte KI-Assistenzsysteme. Aufgrund ihrer hohen Ressourcenanforderungen steigt der Energiebedarf von KI jedoch weiter. Dieser sollte bei aller Begeisterung für KI nicht vergessen werden.
Chatbots basieren auf sogenannten Large-Language-Modellen (LLM) und gehören somit zum Bereich der generativen KI, also einer schöpferischen KI. Dabei muss der Neuheitsgrad im Schöpfungsprozess natürlich kritisch betrachtet werden, da die Technik hier lediglich aus gelernten Inhalten reproduziert wird. Neben der Texterzeugung gibt es im Bereich der generativen KI auch Werkzeuge zur Bild-, Video-, Code- und Audioerzeugung. KI wird heute als eine der wichtigsten Schlüsseltechnologien wahrgenommen, deren disruptive, also stark verändernde Wirkung jedoch auch (noch) stark dystopisch belegt ist, also mit düsteren Zukunftsvisionen verbunden wird. Sie bietet das Potenzial für eine breite Palette an Werkzeugen mit enormen Chancen für Wissenschaft, Wachstum, Wohlstand, Wettbewerbsfähigkeit und Gesellschaft. Deutschland und Europa möchten hier eine Spitzenposition einnehmen.
Hierzu zählen aber nicht nur eigene technologische Entwicklungen, sondern auch Regelwerke für den Einsatz von KI (beispielsweise der sogenannte AI Act). Gleichzeitig stellen die rasanten technologischen Entwicklungen und die massenhafte individuelle Nutzung von KI die Gesellschaft vor neue Herausforderungen. Das Thema KI ist nicht nur in aller Munde, sondern auch in aller Leben – und dies oftmals weitgehend unbemerkt. Dabei ist davon auszugehen, dass die kaum überschaubare Verbreitung von KI gravierende und langfristige Auswirkungen auf unsere Kultur, unsere Gesellschaft und unser Arbeitsleben haben wird, ebenso wie auf die Art und Weise, wie wir Erkenntnisse produzieren und uns aneignen, wie wir Sprache verwenden, miteinander sprechen und umgehen und wie wir Inhalte (Texte, Bilder, Musik, Videos uvm.) produzieren und rezipieren.
Durch den disruptiven und nahezu alle Lebensbereiche umfassenden Charakter dieser technologischen Entwicklung sind sowohl interdisziplinäre als auch transdisziplinäre Betrachtungen notwendig. Denn wie können wir sicherstellen, dass generative KI verantwortungsvoll und ethisch eingesetzt wird, insbesondere hinsichtlich Urheberrechtsverletzungen, Plagiat und der Verbreitung von Falschinformationen? Inwieweit verändert die zunehmende Automatisierung kreativer und analytischer Prozesse durch KI die Struktur von Berufsfeldern und welche Anpassungen sind notwendig, um eine gerechte und zukunftsfähige Arbeitswelt zu gestalten? Und welche Maßnahmen greifen, um Transparenz bei KI-generierten Inhalten zu gewährleisten und Vertrauen in digitale Kommunikation sowie in Authentizität von Informationen sicherzustellen?
Mit der geplanten Förderrichtlinie „Generative Künstliche Intelligenz (genKI) als Untersuchungsgegenstand der Geistes- und Sozialwissenschaften“ fördert das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) die geisteswissenschaftlich fokussierte Forschung über generative Künstliche Intelligenz. Es geht darum, die zentralen Herausforderungen, die durch generative Künstliche Intelligenz und darauf aufbauende Entwicklungen entstehen, aus der Perspektive der Geistes- und qualitativ arbeitenden Sozialwissenschaften zu untersuchen. Dabei sollen sich die Geistes- und Sozialwissenschaften stärker in den Diskurs über generative KI einbringen, insbesondere auch beim wissenschaftlichen Nachwuchs Expertise auf diesem Gebiet herausbilden und so stärker in die Gestaltung einer sicheren, vertrauenswürdigen und menschenzentrierten KI einbezogen werden. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen zur Beratung von Wissenschaft, Gesellschaft und Politik hinsichtlich der Einordnung und der weiteren Gestaltung von generativer Künstlicher Intelligenz beitragen.
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